Wrestling Chips
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Wrestling Chips sehen aus wie die Jetons beim Roulette. Versehen sind sie mit dem Foto amerikanischer Show-Ringer. Unter Grundschülern in ganz Deutschland sind Wrestling Chips derzeit der neue Spiele-Trend – sehr zum Missfallen vieler Lehrer und Eltern, die darin ein gefährliches Glücksspiel und reine Abzocke sehen.
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Ein teures Vergnügen
Der goldene Rey Mysterio ist der Star. Wer diesen seltenen Chip mit den zehn „Power-Punkten“ in seiner Sammlung hat, rückt in der Schulhof-Hierarchie weit nach oben. Ziel der Tauschgeschäfte und Spiele mit den Wrestling Chips ist immer, den Wert der eigenen Sammlung zu steigern.
Dabei geht auch viel Geld drauf. Verliert ein Kind einen Chip, sind jedes Mal knapp 40 Cent weg. Ein Viererpack kostet im Kiosk 1,50 Euro. 90 unterschiedliche sind im Handel: rote, blaue und schwarze mit Männern, violette mit muskelbepackten Frauen. Doch wer die wirklich seltenen erwischen will, muss Glück haben oder investieren. Der goldene Rey Mysterio wird im Internet für mehr als zehn Euro gehandelt.
Das ist viel Geld für so manchen Grundschüler und wohl ein Grund, warum sich der Trend nicht an allen Grundschulen gleich ausgebreitet, sondern nur da, wo das Geld lockerer sitzt.
So wird mit den Chips gespielt
Sieben verschiedene Varianten des Glücksspiels sind üblich, darunter eine namens „Slammerz“: Ein Spieler legt seinen Chip auf den Boden. Sein Gegner wirft einen zweiten darauf und versucht durch einen gechickten Treffer, den liegenden Chip auf die andere Seite zu drehen. Schafft er das, darf er beide behalten.
„Slammerz“ hört sich an wie eine moderne Variante des alten Murmel-Spiels. Doch im Unterschied zu den Trends um Knicker, Sticker, Schnuller oder Pokémons spielen die Grundschulkinder jetzt immer öfter um Geld. Je mehr „Power-Punkte“ ein Chip hat, desto mehr verdient der Gewinner.
Mancherorts bereits verboten
An einigen Schulen, beispielsweise in Hamburg und Berlin, sind die Wrestling Chips schon verboten, weil sie aus Sicht der Lehrer Glücksspielcharakter haben. Zudem können sie Freundschaften belasten: Verlierer büßen nämlich oft nicht nur ihre Chips, sondern auch Ansehen ein. Statt des totalen Verbots versuchen andere Schulen, das Spielen mit den Chips unter Kontrolle zu bringen. Sie haben einen Raum eingerichtet, wo die Kinder unter Aufsicht spielen.
Alles halb so wild?
Die Wrestling-Chips seien nicht zum Spiel um Geld gemacht, sagt Thomas Schmitz vom amerikanischen Hersteller „Topps“ und würde so auch nicht empfohlen. Im Grunde seien die Chips ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem Sammeln und Spaß im Vordergrund stünde und harmlos. Das Verbot an einigen Schulen hält er deshalb für übertrieben.
Auch Tobias Hayer, Psychologe und Glücksspielforscher von der Universität Bremen, sieht den Trend gelassener. Das Spielen um Chips könne man nicht zu den Glücksspielen im engeren Sinn zählen, auch wenn einige Spielvarianten dem Glücksspiel ähnelten. Die Vermutung vieler Eltern, die Spielerei könne süchtig machen, weist Hayer ebenfalls zurück. Dennoch sei es wichtig, dass Kinder ihr Freizeitverhalten nicht einseitig ausrichten. Zudem brauchten Kinder zwar Identifikationsmöglichkeiten – „aber keine kommerziellen“.
Siehe auch
- Schoko-Zigaretten
- Ratgeber Erziehung
- Faustlos
- Mehr Zeit für Kinder e.V.
- Familienratgeber der Aktion Mensch
- Diebstahl
- Elterntelefon


