Wenn Kinder lügen
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Viele Eltern sind geschockt, wenn Kinder lügen, vor allem, wenn es das erste Mal ist. Dass dies irgendwann einmal passiert, halten Experten für völlig normal. Dennoch sollten Eltern Lügen nicht ignorieren.
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Umgang mit der Wahrheit muss man lernen
Aus dem Süßigkeitenschrank sind schon wieder zwei Schokoriegel verschwunden. Die Eltern waren es nicht, das fünf Monate alte Baby sowieso nicht. Hartnäckig leugnet auch das älteste Geschwisterkind: "Nein, hab' ich nicht genommen!"
Fantasiegeschichten, Halbwahrheiten, handfeste Lügen - der Umgang mit der Wahrheit muss erlernt werden. „Lügen ist die Fähigkeit, bewusst die Unwahrheit zu sagen, um sich einen Vorteil zu verschaffen“, sagt die Psychologin Helga Gürtler aus Berlin. Zu dieser geistigen Leistung seien Kinder in der Regel erst ab vier oder fünf Jahren fähig. Lügen setzt einen bestimmten Grad an emotionaler und kognitiver Reife voraus, ergänzt die Entwicklungspsychologin Christiane Papastefanou aus Ludwigshafen. Das Kind müsse sich in den anderen hineinversetzen und seine Perspektive übernehmen können.
Erst Schulkinder können lügen
Von richtigem Lügen sprechen die Experten erst bei Kindern vom Grundschulalter an. Bei Jüngeren liegen Fantasie und Realität sehr dicht beieinander. "Oft nehmen die Kinder einen Wunsch als Realität wahr", sagt Gürtler. Dies sei etwa der Fall, wenn die Dreijährige etwas aus dem Regal heruntergefegt hat und anschließend überzeugt erklärt, es sei der Wind gewesen.
Über reale Lügen allerdings muss man nach Ansicht der Experten reden. "Oft steckt ein Bedürfnis oder eine Not dahinter, wenn ein Kind lügt", sagt Heike Baum. Gründe könnten die Angst vor einer Strafe sein, Scham oder der Wunsch, sich selbst aufzuwerten. "Was sich hinter dem Verhalten verbirgt, bekommen Sie nur im Dialog mit dem Kind heraus." Dafür sei es wichtig, eine vertrauensvolle Atmosphäre aufzubauen. Dabei gilt das Motto: "Wer die Wahrheit sagen darf, muss weniger lügen".
Strafen nutzen nach Ansicht der Experten im Zusammenhang mit Lügen überhaupt nichts. "Im Zweifelsfall ziehen Kinder die Konsequenz daraus, beim nächsten Mal besser zu lügen und sich nicht erwischen zu lassen", ist sich Baum sicher.
Wie Kinder den Umgang mit Wahrheit erlernen, hängt entscheidend davon ab, was ihnen vorgelebt wird. So beobachtet Christiane Papastefanou, dass Eltern manchmal geradezu von ihren Kindern erwarten, zu schwindeln. "Die Kinder sollen sich bei der Tante für das tolle Geschenk bedanken, obwohl sie es gar nicht mögen."
Häufig erleben Kinder auch, dass Eltern sich am Telefon verleugnen lassen oder vorgeben, sie hätten gerade keine Zeit. Von solchen Notlügen raten die Expertinnen ab. Wollen Eltern nicht auf sie verzichten, sollten sie die eigene Unehrlichkeit zumindest eingestehen und den Kindern erklären.



