Weihnachten bei getrennten Eltern
Aus wiki.familieninsel.de
Weihnachten bei getrennten Eltern ist ein ganz besonderer Fall: Denn für Kinder getrennter Paare kann die Frage, wo sie Weihnachten feiern, ein hochemotionaler Stressfaktor sein. Vor alle, wenn es die Eltern nicht schaffen, sich zu einigen, bleibt das Problem an den Kindern hängen, mitunter bis ins Erwachsenenalter.Dabei ist für die Kinder eher zweitrangig, bei wem sie Heiligabend feiern oder ob das jährlich wechselt, erklärt Diplom-Psychologin Katja Kauschke aus Leipzig. "Was sie nicht vertragen, ist die Befürchtung, einem Elternteil gehe es schlecht, weil sie beim anderen sind."
Kauschke ist familienpsychologische Sachverständige bei Gericht und hat daher kennt meist mit Familien zu tun, denen die Einigung nicht gelingt. Vor allem, wenn um Besuchsregelungen an feiertagen gestritten wird, spielen sich vor ihren und den Augen der Richter oft dramatische Szenen ab. An Weihnachten oder Ostern sei "einfach mehr Emotionalität im Spiel», sagt Kauschke.
Derartigem Kleinkrieg um Weihnachten versuchen neue rechtliche Grundlagen seit September 2009 einen Riegel vorzuschieben und so Eskalationen entgegenzuwirken. Eltern, die sich scheiden lassen, müssen vor Gericht nachweisen, dass sie bereits für die wesentlichen Fragen, was beispielsweise den Umgang mit dem Kind betrifft, gemeinsam nach Lösungen gesucht haben. Ist das noch nicht geschehen, verweist sie das Gericht an Familienberatungen.
Diplom-Sozialpädagogin Susanne Bach, Psychologische Beratungsstelle des Leipziger Jugendamtes, macht gute Erfahrungen mit Eltern, die sich auch ohne eine solche gerichtliche Verordnung helfen lassen. Meistens, so Bach, gelinge die Einigung, auch wenn es manchmal dauert. In der Vorweihnachtszeit kommen vor allem frisch getrennte Paare zu Bach, weil sie Unterstützung brauchen, um die ersten Feiertage in getrennter Familie zu organisieren.
"Oft heißt es erstmal: Und wann kriege ich den Heiligabend?", erzählt die Sozialpädagogin. "Dann müssen Bedürfnisse unterschieden werden: Geht es den Eltern jetzt ums Wohl des Kindes oder mehr um sich selbst?" Sie rät ihren Klienten davon ab, Heiligabend unbedingt als gemeinsame Familie zu verbringen, wenn die Ex-Partner miteinander nicht im Reinen sind. "Kinder spüren diese Spannungen. Sie feiern lieber zweimal Weihnachten, als das ertragen zu müssen."
Für Johannes Kaufmann bedeutete die Lösung des "doppelten Heiligabends" eine enorme Erleichterung. "Jahrelang war nie ganz klar, wo was stattfindet. Es musste jedes Jahr neu ausgehandelt werden", erinnert sich der Doktorand aus Braunschweig. Ihm selbst war eigentlich egal, wo er Heiligabend verbringt. "Hauptsache, wir Geschwister werden nicht aufgeteilt." Als Jugendliche forderten er und seine älteren Brüder schließlich eine einheitliche Regelung. Seit zwölf Jahren gibt es nun am 24. Dezember Bescherung, Geschenke und Festessen bei der Mutter und am Ersten Weihnachtstag dasselbe Prozedere beim Vater. Mittlerweile haben sich laut Kaufmann alle Beteiligten mit dieser Lösung angefreundet.
Psychologin Kauschke hält das für vernünftig: "Ab einem bestimmten Alter wollen Kinder allein entscheiden, wie sie feiern und bei wem. Und diese Entscheidung sollten die Eltern dann auch akzeptieren." Ina Hamerstedt nützt es wenig, dass sie das ähnlich sieht. Sie will keinen Unfrieden stiften, also feiert sie dieses Jahr beim Vater. Eine Erlösung aus dem Konflikt sieht sie nur langfristig: "Sobald ich meine eigene Familie gründe, feiere ich mit der alleine Heiligabend. Dann ist diese elende Diskussion endlich vom Tisch."


