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Wachstumsstörungen

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Wie groß oder klein ein Mensch einmal wird, hängt auch von seinen Genen ab.
Wie groß oder klein ein Mensch einmal wird, hängt auch von seinen Genen ab.
Wachtumsstörungen bei Kindern können verschiedene Ursachen haben. Meist findet sich dafür eine harmlose Erklärung. Gelegentlich aber werden Wachstumsstörungen auch durch Krankheiten ausgelöst, die behandelt werden können und müssen.


Inhaltsverzeichnis

Klein- und Hochwuchs

Als kleinwüchsig oder hochwüchsig gelten Kinder, die zu den drei Prozent Kleinsten beziehungsweise den drei Prozent Größten ihres Alters gehören. Das lässt sich anhand von Wachstumskurven einfach ermitteln. „Kleinwüchsig“ oder "hochwüchsig" heißt also zunächst wenig. Auf keinen Fall ist es mit „krankhaft“ gleichzusetzen. Schließlich bietet die Wachstumskurve nur statistische Vergleichswerte. Dafür wurden die Kinder einer Altersgruppe in Bezug auf ihre Körperlänge verglichen. Der Abstand vom kleinsten zum größten gemessenen Wert wurde in Perzentilen (Hundertstelwerte) eingeteilt. Bis zur 10. Perzentile sind damit zehn Prozent aller Kinder einer Altersstufe erfasst, bis zur 50. Perzentile ist es die Hälfte aller Kinder usw.

Auf der Suche nach der Ursache

Entscheidend ist nun herauszufinden, warum ein Kind so klein oder so groß ist. Am wichtigsten für eine Diagnose ist, zunächst die „Dynamik des Wachstums“ zu beurteilen. Normalerweise findet sich ein Mensch im ersten bis zweiten Lebensjahr in dem Bereich der Wachstumskurve ein, die ihm durch seine Erbanlagen zugeordnet ist. Denn wie groß man einmal sein wird, ist wesentlich durch die Gene mitbestimmt. Wer kleine Eltern hat, darf nicht erwarten, ein Riese zu werden.

Kleine Eltern, kleine Kinder

Sieht man also anhand der Wachstumskurve, das ein Kind in seinen genetischen Zielgrößenbereich (siehe unten) hineinwächst und wächst es kontinuierlich, dann kann man davon ausgehen, dass es gesund ist. Stellt der Arzt fest, dass hier etwas nicht stimmt - das beispielsweise die Wachstumskurve im Laufe der Zeit abflacht -, wird er zunächst die Handwurzelknochen röntgen lassen. Mit dieser Untersuchung wird das Knochenalter bestimmt.

Spätentwickler

Anhand der Aufnahme kann der Arzt feststellen, ob eine so genannte konstitutionelle Verzögerung von Wachstum und Pubertät vorliegt, was die häufigste Ursache für Wachstumsstörungen bei Kindern ist. Das heißt, diese Kinder sind gesund, sie entwickeln sich nur langsamer als die anderen. Deshalb sind sie nicht mit 14 oder 15 Jahren ausgewachsen, sondern erst mit 18 oder 19 Jahren.

Auch diese Veranlagung ist erblich mitbestimmt. Kamen etwa Vater oder Mutter spät in die Pubertät, ist auch bei einem - für sein Alter zu kleinen - Kind wahrscheinlich, dass es zu den „Spätentwicklern“ gehört. Dennoch wird es normal groß werden. Für die betroffenen Kinder ist das im Moment jedoch oft wenig tröstlich. Hier sind die Eltern gefragt, ihren Sprösslingen zu einem gesunden Selbstvertrauen zu verhelfen.

Chronische Krankheiten

Ergibt die Röntgenuntersuchung, dass die Knochen nicht so entwickelt sind, wie man es bei einem Kind dieses Alters erwarten würde, folgen weitere Untersuchungen. Schließlich wird das Wachstum durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst.

Zum einen können chronische Erkrankungen die Ursache für Wachstumsstörungen sein. So fallen 30 bis 40 Prozent der Kinder, die an chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie leiden, zunächst durch ein verzögertes Wachstum auf und nicht durch die für diese Erkrankungen typischen Symptome Bauchschmerzen oder Durchfall.

Auch Erkrankungen von Herz, Niere oder Lunge, Blutbilderkrankungen, Tumore oder rheumatische Erkrankungen können das Wachstum hemmen. In diesen Fällen muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Chromosomenstörungen

Neben chronischen Erkrankungen müssen auch Chromosomenerkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden. Bei Mädchen ist vor allem das Ullrich-Turner-Syndrom relativ häufig, mit dem etwa 1 von 2500 Mädchen zur Welt kommt. Eine Folge dieses Defektes im Erbgut ist, dass die betroffenen Mädchen nicht ausreichend wachsen. Das kann zum Teil durch Wachstumshormone ausgeglichen werden. Daneben gibt es Kinder, bei denen ein vererbter Kollagendefekt verhindert, dass Knochen und Knorpel richtig wachsen können. Unter bestimmten Voraussetzungen können bei diesen Kindern die Extremitäten durch eine Operation verlängert werden.

Kann der Arzt eine Grunderkrankung oder einen genetische Ursache ausschließen, werden als nächstes die Hormone untersucht: Stimmen Schilddrüsen- und Wachstumshormonwerte, ab der Pubertät auch die Geschlechtshormonwerte? Sie alle beeinflussen das Wachstum.

Wachtumshormon-Mangel

Bestätigt sich der Verdacht, dass die Hirnanhangdrüse zu wenig Wachstumshormon produziert, lässt sich dieser Mangel ausgleichen: mit gentechnisch hergestelltem Wachstumshormon. Ein solch schwerer Wachstumshormonmangel ist äußerst selten. Nur eins von 7000 Kindern ist davon betroffen. Die Ursachen dafür sind meist nicht bekannt.

Wie groß wird Ihr Kind?

Um grob abzuschätzen, welche Körpergröße ein gesundes Kind als Erwachsener erreichen wird, nutzt man folgende Faustregel:

  • Mädchen = (Größe des Vaters + Größe der Mutter) : 2 - 7,5
  • Jungen = (Größe des Vaters + Größe der Mutter) : 2 + 7,5

Der „genetische Zielgrößenbereich“ erweitert sich darüber hinaus bei Mädchen um +/- 8,4 cm, bei Jungen um +/- 10,8 cm.

Ein Beispiel: Der Vater misst 190 cm, die Mutter 170 cm. Dann ist die „genetische Zielgröße“ der Tochter 172,5 cm, die des Sohnes 187,5 cm. Der „genetische Zielgrößenbereich“ liegt für die Tochter zwischen 164,1 und 180,9 cm, für den Sohn zwischen 176,7 und 198,3 cm.

Siehe auch

Weblinks

Bundesverband kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien

Quelle

dawo