Unfruchtbarkeit
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Die Unfruchtbarkeit in den westlichen Ländern nimmt immer weiter zu. Dr. Silke Blissing, Oberärztin an der Uni-Frauenklinik in Würzburg, weiß warum das so ist: Die Fortpflanzung wird ins spätere Alter verlegt. Mütter und Väter sind heute beim ersten Kind wesentlich älter als noch vor 50 Jahren.Das Durchschnittsalter der Erstgebärenden liegt heute bei 31 Jahren. Lange Ausbildungszeiten und der Trend hin zu möglichst langer Unabhängigkeit sorgen dafür, dass der Kinderwunsch so weit hinausgezögert wird. Die Konsequenz: Oft wird erst bei deutlich nachlassender Fruchtbarkeit versucht, ein Kind zu zeugen.
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Kinderwunsch-Sprechstunde
Auch in Unterfranken suchen jährlich tausende Paare medizinische Hilfe bei so genannten Kinderwunsch-Zentren. Eines befindet sich im Untergeschoss der Frauenklinik der Universität in Würzburg. Über 2000 Paare kamen allein im letzen Jahr in die Kinderwusch-Sprechstunde von Dr. Silke Blissing. Aber nicht alle Patienten brauchen eine künstliche Befruchtung, klärt die Ärztin auf. Ein Paar gilt als ungewollt kinderlos, wenn sich nach einem Jahr mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr, idealerweise zum Eisprung, keine Schwangerschaft einstellt.
Die Unfruchtbarkeit liege zu einem Drittel an der Frau, zu einem Drittel am Mann und zu einem weiteren Drittel an beiden. Bei einem von zehn betroffenen Paaren findet man bei beiden keine Ursache.
Embryonenschutzgesetz
Zunächst muss durch eine angemessene Diagnostik die Sterilitätsursache gefunden werden. Die Art der Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Zudem müssen die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, die unter anderem im Embryonenschutzgesetz festgelegt sind.
In Deutschland sind mittlerweile etwa 100 000 Kinder durch eine Reagenzglas-Befruchtung zur Welt gekommen. Weltweit sind es laut Schätzungen von Fachleuten bereits zwei Millionen. Das erste Retortenbaby erblickte 1982 in Erlangen das Licht der Welt. Seitdem hat sich in der Reproduktionsmedizin viel getan. So liegt der durchschnittliche Erfolg bei einer Kinderwunsch-Behandlung heute bei etwa 30 Prozent - abhängig vom Alter der Eltern und der Art der Unfruchtbarkeit.
Brisant werden hierzulande künstliche Befruchtungen immer dann, wenn die Eltern in spe gleichzeitig auf die Segen der Präimplantationsdiagnostik (PID) - der Früherkennung genetischer Defekte - setzen wollen. Denn im Falle einer künstlichen Befruchtung können die Embryonen mit Hilfe dieser Technik auf Erbkrankheiten untersucht werden, bevor sie der Frau eingepflanzt werden - eine Methode, die in Deutschland bislang verboten ist. Für sinnvoll halten Ärzte dieses Verfahren etwa bei schweren Erbkrankheiten, um eine Schwangerschaft auf Probe mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch zu vermeiden.
Doch hierbei bleiben viele Fragen offen, zum Beispiel welche Krankheit eine sinnvolle Indikation für die PID wäre. Es sind Fragen wie diese, die auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan dazu veranlassten, den Deutschen Ethikrat als unverzichtbares Instrument der Gesellschaft ins Leben zu rufen.
Obwohl die Qualität der deutschen Reproduktionsmedizin hoch ist, ist seit 2004 die Zahl der Behandlungen um die Hälfte eingebrochen. Denn die gesetzlichen Krankenkassen tragen seit 2004 nur noch die Hälfte der Kosten für drei Behandlungszyklen - das heißt bei jedem Versuch der künstlichen Befruchtung müssen die Patienten zwischen 1500 und 1700 Euro selbst bezahlen. Eine Benachteiligung für Paare, die an Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane leiden. Nur wer genug Geld hat, kann sich die Behandlungen noch leisten.
Auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin wird es in Zukunft gewaltige Fortschritte geben. Eine Zukunftsvision ist die Ovar-Protektion, die heute zum Teil schon angewandt wird. Sie ermöglicht krebskranken Frauen nach Überwindung der Krankheit die Erfüllung des Kinderwunsches. Auch wenn sie durch eine Tumor-Therapie frühzeitig in die Wechseljahre geschickt wurden. Möglich wird das durch das frühzeitige Einfrieren von gesunden Eizellen.
Verfahren künstlicher Befruchtung
- Insemination:
Die Samenzellen des Partners werden mit einem feinen Plastikkatheter direkt in die Gebärmutter injiziert. Sie müssen selbständig bis zur befruchtungsfähigen Eizelle finden. Deshalb ist die Funktionstüchtigkeit der Eileiter Voraussetzung und der Zeitpunkt zum Eisprung wichtig.
- In-Vitro-Fertilisation
Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) ist eine Befruchtung, die außerhalb der Gebärmutterhöhle in einem Reagenzglas durchgeführt wird ("in vitro" heißt "im Glas"). Dazu werden der Frau nach vorheriger hormoneller Stimulation Eizellen entnommen und diese in einer Nährlosung mit den Samenzellen des Partners befruchtet. Nach zwei bis fünf Tagen werden die befruchteten Eizellen in die Gebärmutterhöhle der Frau eingesetzt.
- Mikroinjektion
Bei der intrazystoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) wird die Samenzelle in das Innere der Eizelle gespritzt. Der Vorteil der Mikroinjektion, ist, dass auch Samenzellen zur Befruchtung herangezogen werden können, die sonst aufgrund mangelnder Beweglichkeit nicht aus eigener Kraft in die Eizelle eindringen könnten.
Siehe auch
- Lebensplanung
- Schwangerschaft
- Schwanger über 40
- Unfruchtbarkeit beim Mann
- Östradiol
- Frauen ohne Kinder
Weblinks
Quelle
Mainpost/mainFamily
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