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Impfung

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Bei jeder Impfung sollte man die Gefährlichkeit der Krankheit gegen mögliche Nebenwirkungen des "Pieksers" abwägen.
Bei jeder Impfung sollte man die Gefährlichkeit der Krankheit gegen mögliche Nebenwirkungen des "Pieksers" abwägen.
Die Entwicklung der Impfung gehört zweifellos zu den Erfolgsgeschichten der Medizin. Viele lebensbedrohliche Infektionskrankheiten, gegen die früher kein Kraut gewachsen war, kommen heute praktisch nicht mehr vor. Dennoch: Bei jeder Impfung gilt es, die Gefährlichkeit der Krankheit gegen mögliche Nebenwirkungen abzuwägen.


Inhaltsverzeichnis

Impfen ist keine Pflicht

Während beispielsweise in den USA Impfpflicht besteht, sind in Deutschland alle Impfungen freiwillig. Statt Kinder impfen zu lassen, legen es impfkritische Eltern auf eine direkte Infektion ihrer Kinder an.

Was Kritiker meinen

Impfkritiker argumentieren, der Körper müsse die Kinderkrankheiten durchmachen, um wirklich für die Zukunft gewappnet zu sein. Ein Argument, dem Schul-Mediziner nur teilweise zustimmen können. Professor Dr. Hermann Girschick, Oberarzt an der Kinderklinik der Würzburger Universität, warnt davor, dass eine Wildinfektion für sich genommen gefährlich sein, das Immunsystem stark schwächen und gefährliche Komplikationen nach sich ziehen kann.

Stiko-Empfehlungen

Anhand der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (Stiko) erklärt der Arzt, welche kleinen Piekser große Wirkung haben.

Kinderlähmung

Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) etwa ist eine hoch ansteckende, durch Viren übertragene Infektionskrankheit, die zu bleibenden Lähmungen und zum Tod führen kann. In den Industrieländern ist sie sehr selten geworden. In Afrika und Asien wurden in jüngster Zeit wieder größere Ausbrüche berichtet. Allerdings nimmt die Durchimpfung heutzutage in Europa wieder ab, was das Risiko einer neuen Polio-Endemie birgt. Unbestritten positiv bewertet Dr. Girschick diese Impfung.

Diskussionen habe es lediglich über die früher übliche Schluckimpfung gegeben. Die damals verabreichten Lebendviren lösten in einigen Fällen eine so genannte Impf-Polio aus. Statt des Zuckerstückchens ist deshalb heute in Europa eine Impfung mit abgetöteten Viren üblich, die gespritzt wird. Dieser Impfstoff ist nicht ganz so effektiv, aber dafür ohne wesentliche Nebenwirkungen.

Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) ist durch krampfartige Hustenanfälle gekennzeichnet und kann zu Lungenentzündungen führen. Im Impfkalender taucht er mit der Abkürzung aP auf, die den modernen (azellulären) Pertussis-Impfstoff bezeichnet.

In der Regel nicht so gefährlich wie Diphtherie oder Tetanus, beurteilt der Fachmann den Keuchhusten. Lebensbedrohlich könne er allerdings bei sehr jungen Säuglingen sein. Früher war die Keuchhustenimpfung diejenige, die häufig mit Nebenwirkungen assoziiert wurde. Die Einführung des azellulären Impfstoffs, der nur noch einzelne Teile der Bakterienoberfläche enthält, hat diese Situation wesentlich verbessert. Der Netto-Effekt ist, dass man die Impfung empfehlen kann, sagt Girschick.

Diphterie und Tetantus

Diphtherie ist eine bakterielle Infektion der Atemwege, die tödlich verlaufen kann und früher zu den gefürchtetsten Kinderkrankheiten überhaupt gehörte. Tetanus (Wundstarrkrampf) ist Folge einer Wundinfektion und führt zu schmerzhaften Verkrampfungen der Muskeln und häufig zum Erstickungstod. Das Bakterium ist überall in der Erde vorhanden. Impfungen gegen diese beiden Krankheiten sind zum einen sinnvoll, lautet Girschicks Urteil, zum anderen gut verträglich.

HiB

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) war vor Einführung der Impfung für einen Großteil der Hirnhautentzündungen verantwortlich. Die Impfung gegen diesen Meningitis-Erreger sei aus Sicht der Schulmedizin "ohne jeden Zweifel" zu empfehlen und gut verträglich, so Girschick. Zwar treten in Deutschland nur noch sehr wenige Hib-Meningitiden auf, dennoch befindet sich der Erreger weiter in der Bevölkerung und verursacht einen Teil der Luftwegsinfektionen. Angesichts der Tatsache, dass Hirnhautentzündungen bleibende geistige Schäden hinterlassen, gibt es über den Sinn der Impfung kaum Diskussionsbedarf.

Hepatitis B

Hepatitis B ist eine schwer wiegende Leberentzündung. Die Viren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen sowie über Blut oder Speichel beziehungsweise während der Geburt von Mutter zum Kind. In Deutschland ist das Infektionsrisiko zwar relativ gering, dennoch ist die Impfung zu empfehlen., da das Virus im europäischen Ausland und darüber hinaus weit verbreitet ist und die Gefahr eines Virus-Kontaktes mit dem hohen Reiseaufkommen und aufgrund der Migrantenbewegung auch bei uns deutlich zugenommen hat.

Masern

Zu den möglichen gefährlichen Komplikationen einer Masern-Infektion zählt eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis). Außerdem braucht das Immunsystem meist lange, um sich von der Krankheit zu erholen, was die Patienten anfällig für andere Infektionen macht. Das hohe Ansteckungsrisiko und die möglichen schweren Langzeitfolgen machen Girschick zum Befürworter der Masern-Impfung.

Röteln

An sich handelt es sich bei Röteln im Kindesalter um eine nicht schwer wiegende Virusinfektion, die mit Hautausschlag und Lymphdrüsenschwellung einhergeht. Gefürchtet sind aber Erkrankungen bei Schwangeren in den ersten vier Monaten, weil sie zu schwersten Fehlbildungen beim Ungeborenen führen können. Wiederum empfiehlt Girschick, Mädchen wie Jungen zu impfen, um den Krankheitserreger in der Bevölkerung zurückzudrängen und vor allem das Risiko einer Infektion in der Schwangerschaft auszuschalten.

Mumps

Mumps ("Der Ziegenpeter") ist eine Viruserkrankung, die vor allem die Speicheldrüsen befällt und bei Mädchen in aller Regel keine dauerhaften Folgen hat. Für Jungen besteht jedoch die Gefahr einer Hoden- Entzündung, die zu Sterilität führen kann. Girschick rät zu einer Impfung beider Geschlechter: "Man impft die Mädchen, um die Jungs zu schützen."

Siehe auch

Quelle

Mainpost