Stiefmutter
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Freund statt Ersatz-Papa
„Natürlich hängt das Funktionieren von Patchworkfamilien von sehr vielen Faktoren ab“, sagt die Familientherapeutin Christiane Papastefanou aus Mannheim. Je älter das Kind sei, desto schwieriger werde es in der Regel. „Dann hat das Kind ja schon eine gewisse Zeit in einer Familie mit eigenen Regeln und Ritualen gelebt.“
Deswegen rät die Therapeutin in vielen Fällen Stiefvätern oder -müttern, gar nicht den Anspruch zu haben, zur Erziehungsperson zu werden. „Das funktioniert meist sowieso nicht und ist ja auch nicht nötig.“ Stattdessen sei es sinnvoller, eine Art Freundschaft aufzubauen. „Für die Erziehung sollten in erster Linie die leiblichen Eltern zuständig sein“, sagt Papastefanou. Wolle sich der neue Partner doch einbringen, was in einigen Fällen angemessen und von dem leiblichen Elternteil auch gewünscht ist, müsse das vorher unter den Erwachsenen besprochen werden.
Mehr Mitspracherecht räumt Papastefanou bei Fragen des täglichen Zusammenseins ein. „Natürlich müssen da klare Regeln gelten, und da darf auch mal der Stiefelternteil etwa beim Essen das Kind ermahnen oder zum Aufräumen auffordern“, ergänzt die Autorin Dorothee Döring.
Zurückhaltung bei der Erziehung
Ist das Verhältnis zu den Stiefkindern eher schwierig, tue sich der neue Partner selbst einen Gefallen, wenn er nicht negativ besetzte Erziehungsaufgaben übernimmt, rät Döring. „Man muss sich bewusst machen, dass so eine neue Familie erstmal zusammenwachsen muss.“ In vielen Fällen werde der neue Partner von dem Kind abgelehnt. „Da ist es manchmal schon ein Erfolg, eine neutrale Beziehung zu entwickeln, der nächste Schritt ist dann so etwas wie Freundschaft - und Liebe ist ja immer ein Geschenk.“
Auch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass man eigene und Stiefkinder gleichbehandeln kann. „Vor allem, wenn die Kinder nicht ständig in der Familie leben, ist das schwierig“, sagt Döring. Die gleichen Aufgaben sollten sie trotzdem haben.
Mehr Gelassenheit
Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann aus Hannover rät Stiefeltern zu Gelassenheit und empfiehlt vor allem Männern: „Macht Euch nicht verrückt.“ Sie sollten behutsam, aber nicht zu vorsichtig auf die Kinder zugehen und dabei eine klare Linie verfolgen.
Einschmeichelversuche entlarvten die Mädchen und Jungen meist sofort. Mit einem zögerlichen Umgang könnten gerade jüngere Kinder nichts anfangen. Nur eins sollten Stiefeltern nie tun: Das Kind in einen Loyalitätskonflikt bringen und den leiblichen Vater oder die leibliche Mutter ausspielen.


