Sporthockern
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Wer in Der Schule gerne mit dem Stuhl kippelt und nicht lange still sitzen kann, ist ein möglicher Kandidat fürs Sporthockern. Akrobatische Tricks mit einem Kunststoffhocker zu machen, entwickelt sich nämlich immer mehr zu einer Trendsportart. Beim Hockern ist sitzen bleiben ausdrücklich nicht erwünscht.
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Vom Sitzmöbel zum Sportgerät
„Es ist kein alltäglicher Sport, der aber durchaus süchtig machen kann“, sagt Stephan Landschütz. Der 28-Jährige hat das Hockern vor ungefähr drei Jahren in Kiel kennengelernt. Mittlerweile ist der Designer, der aus München stammt, schon dreifacher „Meister der Welt“ in der noch ziemlich jungen Sportart.
Der Verein „Kieler Hockstars e.V“ erfand das Sporthockern, indem die Mitglieder Kunststoffhocker im 70er-Jahre-Stil, die ungefähr so aussehen wie große Sanduhren, in die Luft schmissen, sie wieder auffingen, oder Handstände darauf machten.
Damit der Sport massentauglich wurde, musste allerdings noch das Sportgerät optimiert werden. „Weil die normalen Kunststoffhocker bei den Übungen ständig gebrochen sind, habe ich mit meinem Bruder stabilere Hocker entwickelt“, erzählt Stephan Landschütz. Die beiden haben schon mehrere Designpreise für diese Entwicklung gewonnen.
Ein Sport für Kreative
Mit der Weiterentwicklung der Hocker nimmt auch das Sporthockern immer mehr Form an. Mittlerweile gibt es schon einige Standardtricks, die feste Namen haben und zu jeder Kür eines geübten Hockerers dazugehören.
Bei der „Packung“ zum Beispiel fängt man den Hocker, den man vorher möglichst kunstvoll mit Hand oder Fuß in die Luft geworfen hat, mit den Händen auf. Auch das Werfen des Sitzmöbels hat in der Hockerszene einen bestimmten Namen: es heißt „Petern“.
Dass bestimmte Übungen ihre spezielle Bezeichnung haben, ist nicht selbstverständlich. „Weil die Sportart noch ziemlich jung ist, werden ständig neue Tricks erfunden und mit ihnen auch neue Begriffe“, sagt Stephan Landschütz. Wer also mit dem Sport anfängt, kann auch Erfinder neuer Übungen und sogar neuer Worte werden.
Schnell zu lernen
Lernen kann das Hockern angeblich jeder. Wenn man sich einen Sporthocker zugelegt hat, kann man eigentlich auch schon loslegen und – laut Stephan Landschütz – in den ersten zwei Minuten Training schon bis zu zehn Moves lernen.
Weil es aber ziemlich umständlich wäre, mal eben aus Unterfranken nach Berlin zu fahren, um sich von Stephan Landschütz und seinem Bruder Michael das Hockern erklären zu lassen, kann man sich auch in zahlreichen YouTube-Videos Hockerer in Aktion ansehen und versuchen, ihre Tricks nachzumachen.
Einige der geübten Hock-Sportler haben den Sport schon soweit ausgebaut, dass mittlerweile sogar komplizierte Elemente aus dem Breakdance oder der Akrobatik in ihren Choreografien zu erkennen sind. Wer an einer Meisterschaft teilnimmt, wird danach bewertet, wie flüssig er die einzelnen Tricks miteinander verbindet und wie kreativ der Hockerer bei seinen verschiedenen Bewegungen ist.
Die Ursprünge liegen im Zirkus
Ganz neu ist die Idee des Sporthockerns allerdings nicht. Viele Zirkus- oder Bühnenakrobaten machen schon seit langer Zeit Kunststücke mit Hockern oder Stühlen. Auch in der DDR wurde schon gehockert: „Mit hat mal eine ältere Dame erzählt, dass sie im Osten in einem Hockerballett mitgemacht hat“, sagt Stephan Landschütz. Das Hockern als normalen Sport gibt es aber erst seit ungefähr vier Jahren.
Obwohl die Moves beim Hockern teilweise ziemlich kompliziert und gefährlich aussehen, ist die Verletzungsgefahr – bis auf ein paar blaue Flecken – ziemlich gering. Deshalb ist es auch ein Sport für alle, die sonst lieber auf der Couch sitzen und nicht so trainiert sind. Also, auf die Hocker, fertig, los!


