Schultüte
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Eine Einschulung in Deutschland ist ohne sie einfach nicht denkbar: Die Schultüte, selbst gebastelt oder bedruckt mit farbenfrohen Motiven gehört zu typischen Ausstattung der bundesweit rund 800 000 Erstklässler.
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Tradition seit 1817
Die Schultüte hat vor allem in Deutschland eine lang gepflegte Tradition: Schon im Mittelalter feierten ganze Gemeinden das bedeutende Ereignis des ersten Schultages mit Umzügen oder Gottesdiensten. 1817 bekamen Kinder in Thüringen vom Kantor erstmals zum Schulbeginn eine mächtige Tüte Konfekt . . . Die erste Schultüte glich noch einer schlichten Obsttüte. Sie soll einen "Wissenstrichter" verdeutlichen, der im Laufe der Schulzeit gefüllt wird. Die Süßigkeiten - das süße Leben - werden durch Erlerntes - den Ernst des Lebens - ersetzt. Von Thüringen und Sachsen aus breitete sich die Tradition dann über den Rest Deutschlands aus. Die Armut nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Schultüten in Deutschland zunächst weitgehend verschwinden. Erst nach 1945 lebte der Brauch wieder voll auf. Um 1950 begann die Firma Goldbuch im oberfränkischen Bamberg mit der Produktion.
Heute sind die Geschenke vom ersten Schultag nicht mehr wegzudenken. In den Tüten im 19. Jahrhundert fanden die Kinder noch Obst, Gemüse und Nüsse. Heute beschenken Eltern ihre Abc-Schützen mit Stiften, Linealen und Spielzeugen. Und die Wünsche werden immer extravaganter: Immer häufiger sind Computerspiele und Handys in den Tüten zu finden
Keine Chance im Ausland
Goldbuchs Versuche, den Brauch auch ins Ausland zu exportieren, blieben allerdings ohne Erfolg. Als die Firma, von der jede zweite deutsche Schultüte stammt, diese auf dem französischen und amerikanischen Markt anbot, dachten die Leute dort, es seien überdimensionale Papierhüte und setzten sie sich auf den Kopf. So jedenfalls schildert Geschäftsführer Robert Brückner die Exporterfahrungen.
Lediglich nach Afrika transportiert Goldbuch jedes Jahr knapp 150 Exemplare. Ein Kunde des Produzenten lebt in Namibia. Dort verkauft er die Schultüten an deutschstämmige Afrikaner, die sehr traditionsbewusst sind. Sie versuchen alte Bräuche, die sie in ihrer Kindheit erlebt haben, auch in Afrika an ihre Kinder weiter zu vermitteln.
Unterschiedliche Modelle
Im Lager der Firma Goldbuch, deren Hauptgeschäft eigentlich Fotoalben sind, finden sich nicht nur traditionelle 70 Zentimeter-Schultüten. Auch sechseckige, 85 Zentimeter große Exemplare stehen dort zu zwei Meter hohen Türmen übereinander gestapelt. Grund für die Modellvielfalt sind die unterschiedlichen Schultütenvorlieben in Ost- und West-Deutschland: In den neuen Bundesländern wird die sechseckige Riesenschultüte mit Tüllmanschette bevorzugt. Hier wird die Einschulung ganz groß gefeiert. Zum Teil bekommen die Erstklässler nicht nur eine Schultüte, sondern gleich drei oder vier geschenkt.


