Schulranzen-Studie
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Die DIN-Norm
Alle Jahre wieder tauchen zum Schulbeginn in den Medien Meldungen auf, die vor zu schweren Schulranzen warnen, weil diese die Wirbelsäulen der Kinder ruinierten. Alle Warnungen enthalten einen ähnlichen Richtwert: Der gepackte Ranzen dürfe nicht schwerer als zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts sein, um irreparable Haltungsschäden zu vermeiden. Sogar das Deutsche Institut für Normung legt in der DIN-Norm 58124 fest: "Der gefüllte Ranzen sollte am Ende nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes wiegen." Dieser Wert steht seit vielen Jahren in der Norm, lässt sich wissenschaftlich aber nicht begründen und wird dennoch ständig ungeprüft verbreitet.
Das Gewicht der Schulranzen
In einer Studie hat jetzt das Kidcheck-Team der Universität des Saarlandes überprüft, wie schwerere Schulranzen auf den Körper von Kindern einwirken. An der Schulranzen-Studie nahmen 60 Mädchen und Jungen der Klassen zwei und drei teil. Das Durchschnittsgewicht der sieben- und achtjährigen Kinder lag bei 27 Kilogramm. Die Ranzen wogen im Schnitt fünf Kilogramm. Im Durchschnitt hatte jeder Ranzen ein Gewicht, das bei 17,2 Prozent des Körpergewichts der Kinder lag.
An der nächsten Station nahmen die Wissenschaftler die Körperhaltung der Kinder unter die Lupe. Bei einigen der Kinder registrierten die Experten leichte, aber keine auffälligen Haltungsschwächen. Danach wurde die Messung mit dem Ranzen auf Rücken wiederholt. Das Ergebnis: Die Kinder mussten ihre Muskeln nur geringfügig anspannen, was heißt, dass das Gewicht des Ranzens den Körpers nicht nennenswert belastete.
Was sich an der Haltung ändert
Nun mussten sich die Kinder mit ihren Ranzen auf den Rücken 15 Minuten lang auf einem Hindernis-Parcours bewegen, der in einer Sporthalle aufgebaut war. Danach wurde die Körperhaltung der Kinder erneut analysiert. Sie hatten dabei immer noch die Ranzen auf den Rücken, aber trotz des "anstrengenden Schulwegs" war die Körperhaltung nicht schlechter als vorher. Die Muskulatur war nicht merklich ermüdet, obwohl die Ranzen deutlich mehr wogen als zehn Prozent des Körpergewichts.
Erst wenn das Ranzengewicht ein Drittel des Körpergewichts ausmachte, änderte die Wirbelsäule ihre Position und die Ruhehaltung wurde instabil. Allerdings spannten sich jetzt auch die Muskeln deutlich an, um den Körper zu stabilisieren, wodurch die Wirbelsäule entlastet wurde.
Eher Nutzen als Schaden
Das Fazit des Leiters der Studie, Professor Dr. Eduard Schmitt: Selbst ein schwererer Ranzen wird eine gesunde kindliche Wirbelsäule nicht schädigen. Dazu wirkt das Gewicht viel zu kurz auf den Rücken ein. Ein kurzfristig getragener schwererer Ranzen kann sogar die Rumpfmuskulatur bewegungsarmer Kinder trainieren.


