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Schreikinder

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Schreien ist erst mal die einzige Lautäußerung, die einem Säugling zur Verfügung steht.
Schreien ist erst mal die einzige Lautäußerung, die einem Säugling zur Verfügung steht.
Babys schreien, wenn sie Hunger haben, müde sind oder sich unwohl fühlen. Das ist normal. So genannte Schreikinder aber. lassen sich nur schwer oder gar nicht beruhigen. Ein solcher Säugling schreit plötzlich und scheinbar ohne Grund stundenlang schreit, an mehreren Tagen in der Woche und das oft über Monate hinweg.


Inhaltsverzeichnis

Vielfältige Gründe

Blähungen sollen daran schuld sein. Ebenso Drei-Monats-Koliken, das tägliche Fünf-Uhr-Schreien oder einfach Hunger. Es gibt viele Vermutungen über Ursachen, wenn Babys vermehrt schreien. Doch Professor Dr. Hans Michael Straßburg von der Universitätskinderklinik Würzburg, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums („Frühdiagnosezentrum“) und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) weiß, dass es oft keine einfache Erklärung gibt. Zunächst einmal ist Schreien die einzige Lautäußerung, die ein Baby machen kann. Eltern versuchen dann natürlich, das Kind zu beruhigen und zu trösten. Das Wort "Stillen" sagt bereits im Wortsinn viel über die Absicht.

Bewegungsfreiheit hilft

Aber: Nicht immer haben Säuglinge Hunger, wenn sie schreien. Im Gegenteil: Oft bekommen sie zu viel Nahrung, ist die Erfahrung von Professor Straßburg. In diesen Fällen hilft bereits, die Nahrung zu reduzieren, keinen Tee zuzufüttern, das Kind gut aufstoßen zu lassen und ihm dann auf einer festen Unterlage in Rückenlage Bewegungsfreiheit zum Strampeln zu geben. Babys sollten sich drehen und die Beine bewegen können, so dass die Darmaktivität in Schwung kommt.

Für die Untröstlichkeit von Neugeborenen gibt es nach Angaben von Professor Straßburg noch viele andere, weniger leicht erfassbare Ursachen. Tröstlich zu wissen: Bei den allermeisten Kindern geht die Unruhe nach dem dritten, spätestens nach dem sechsten Lebensmonat zurück.

Die Dreierregel nach Wessel

Der Würzburger Fachmann unterscheidet zwischen vermehrtem und exzessivem Schreien. Für exzessives Schreien gibt es klare Kriterien, die Dreierregel nach Wessel, benannt nach dem Arzt, der sie erstmals formuliert hat: Demnach handelt es sich um ein sogenanntes Schreibaby, wenn es mehr als drei Stunden am Tag an mehr als drei Tagen in der Woche über mehr als drei Wochen Anfälle von Erregbarkeit, Unruhe oder Schreien hat.

Die Belastungen der Eltern

Beunruhigte Eltern von auffallend schrill, gepresst oder extrem oft schreienden Babys sollten zum Kinderarzt gehen, denn es könnten neben physiologischen auch pathologische Ursachen beziehungsweise Erkrankungen vorliegen: Stoffwechsel- oder genetische Erkrankungen, Reizungen der Haut, Knochenentzündung, Herzfehler, Auffälligkeiten in der Muskulatur, Hernie (Leistenbruch), krankhafte Veränderung des Gehirns, Störungen im Magen-Darm-Trakt, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (beispielsweise gegen Milcheiweiß) oder Rückfluss-Probleme (Reflux) wie Sodbrennen. Auch Entwicklungsstörungen können ein Grund für das anfallsartig auftretende Schreien sein. Diese Unruhe könne später zu Hyperaktivität beziehungsweise ADHS führen.

Schreibaby nach Drogenkonsum

Darüber hinaus wurde nach Angaben von Professor Straßburg in Studien festgestellt, dass Schreibabys gehäuft bei Müttern vorkommen, die während und nach der Schwangerschaft geraucht oder ein Drogenproblem haben. Auch bei Komplikationen während der Geburt (Sauerstoffmangel, Zangengeburt, Nabelschnur um den Hals, Probleme beim Milcheinschuss der Mutter etc.) kann es einen Zusammenhang mit dem späteren Auftreten von vermehrtem oder exzessivem Schreien geben. Ebenso bei Beziehungsproblemen der Eltern oder psychischen Störungen eines Elternteils.

Hilft alles nicht, empfiehlt der Fachmann, in eine Kinderklinik zu gehen und den Säugling über mehrere Tage zu beobachten. Kommt es auch dort nur zu einer unzureichenden Verbesserung, ist es sinnvoll, Spezialeinrichtungen wie etwa ein Sozialpädiatrisches Zentrum aufzusuchen. Dort stehen neben Ärzten auch Physiotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter zur Verfügung, um den Fall zu klären.

Hilfe holen

Eltern sollten keinesfalls glauben, sie müssten die Belastungen alleine tragen. Sie sollten sich auch nicht auf allzu vordergründige Erklärungsversuche aus der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis einlassen. Bei allen Untersuchungen und Beratungen ist für den Würzburger Sozialpädiater das Allerwichtigste, den Eltern professionelle Hilfe anzubieten sowie Selbstvertrauen und Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind zu geben, da verunsicherte Eltern oft auch eine verunsicherte Gesamtsituation zu Hause haben.

Schreibaby-Beratung

Und wie sieht konkrete Hilfe beispielsweise aus? Die Schreibaby-Beratung der Pro Familia in Tübungen beispielsweise rät Eltern, möglichst nicht mit anderen Eltern über das Schreikind zu sprechen , um sich vor gut gemeinten, falschen Ratschlägen zu schützen.

Die Fachleute erklären die Unruhe und das Schreien mit Überforderung des Babys. Schreikinder, sagen sie, brauchen vor allem ganz viel Mama, deshlab sollte man sie an die Brust lassen, so oft sie möchten. Ansonsten hilft auch ganz viel Körperkontakt.

Da das nur funktioniert, wenn die Mama Hilfe hat, sind im Umfeld von kleinen Schreikindern vor allem Menschen gefragt, die ohne großes Aufhebens bei den alltäglichen Tätigkeiten (kochen, putzen, waschen, einkaufen, wickeln) unter die Arme greifen. b helfen - still und ohne die Eltern mit Horrorszenarien wegen des "verwöhnten Kindes" zusätzlich unter Druck zu setzen.

Siehe auch

Quelle

Mainpost/trab/"Stillzeit"