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Schloss Werneck

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Schloss Werneck ist heute eine Klinik. Der Park ist jedoch öffentlich zugänglich.
Schloss Werneck ist heute eine Klinik. Der Park ist jedoch öffentlich zugänglich.
Schloss Werneck wird heute als Klinik genutzt. Offensiv verkauft der Bezirk Unterfranken im Internet die Symbiose aus architektonischem Kulturgut und medizinischem Alltag als „eine der schönsten orthopädischen Kliniken Deutschlands“.


Inhaltsverzeichnis

Schnelle Genesung inklusive

Wer vom Krankenbett aus in den schier endlos großen Park auf Kastanien und Putten, auf den kleinen See und die akkurat arrangierten Blumenbeete blicken kann, vergisst vielleicht wirklich für einige Momente den Bandscheibenvorfall, den Meniskusschaden oder die Knieprothese.

Für Nichteingeweihte ist es erstaunlich, dass die Geschichte des Schlosses als Krankenhaus deutlich länger ist als die als Sommersitz des Würzburger Bischofs. Im frühen 18. Jahrhundert hatte Friedrich Karl von Schönborn den Neubau verfügt, nachdem das Vorgängergebäude niedergebrannt war. Balthasar Neumann schuf ein prächtiges Barockschloss, das 1742 vollendet war.

Eine Irrenanstalt

Die Säkularisierung brachte die Anlage in die Hände des bayerischen Königreichs; der Adel wusste mit dem Schloss nichts anzufangen. 1853 begann dessen Klinikgeschichte, als Dr. Bernhard von Gudden – dessen Leben 33 Jahre später an der Seite von König Ludwig II. im Starnberger See enden sollte – eine „Irrenanstalt“ aufbaute.

Von Gudden entwickelte sich zu einem der angesehensten Psychiater seiner Zeit. Viele Privatpatienten kamen nach Werneck; die Klinik war gleichzeitig ein selbstversorgender landwirtschaftlicher Betrieb mit 100 Hektar, den die Patienten führten – eine frühe Form der Arbeitstherapie. Sie legten auch den See im Park an, der von der „Fürstenquelle“ gespeist wird. Mit dem Aufbau des Krankenhauses gingen die ersten baulichen Sünden einher: Die Residenz wurde umgekrempelt, Kranken-, Behandlungszimmer und Schlafsäle wurden gebraucht.

Nur noch die kleine Schlosskirche ist bis heute authentisch geblieben. Fast das Wasser in die Augen treibt Klingert der Umstand, dass das barocke Neumann-Treppenhaus im Hauptgebäude geopfert wurde. Es konnte es zwar nicht mit dem prächtigen Aufgang in der Würzburger Residenz und dem Blick auf das umwerfende Tiepolo-Fresko aufnehmen: Aber ein architektonisches Kleinod war es schon, was der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist, blickt Klingert auf das Modell in der Eingangshalle, das deren ursprünglichen Zustand zeigt: „Das tut mir immer noch weh.“

Orthopädie und Psychiatrie

Ein vorläufiges Ende bereiteten die Nationalsozialisten der Psychiatrie in Werneck. Im Rahmen der Euthanasie-Verbrechen räumten sie 1940 das Krankenhaus und verlegten die Patienten in andere Einrichtungen – mit meist tödlichem Ende. Ein Denkmal im Schlosspark erinnert daran. Bekanntlich betreibt heute der Bezirk wieder eine psychiatrische Klinik in Werneck, die vor Jahrzehnten in einen Neubau auf dem weitläufigen Gelände eingezogen ist.

Das Schlossgebäude funktionierten die Nazis in ein Lager für Umsiedler und eine Unteroffiziersschule um, nach Kriegende entstand in den historischen Mauern ein Versehrtenkrankenhaus – die Wiege der heutigen Orthopädieklinik. Die hat sich in den vergangenen Jahren kräftig gemausert: Die Bezirkseinrichtungen in Werneck sind mit 1000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Landkreis Schweinfurt.

Feste, Kultur und Sport im Park

Vorbei sind auch die Zeiten, als sich das Schloss von Werneck abgeschottet hat: Es hat seinen Frieden mit dem Ort gemacht, deren Bewohner das Treiben hinter den Mauern oft argwöhnisch beäugt hatten.

Der langjährige Ärztliche Direktor Albrecht Schottky setzte sich dafür ein, dass vor allem die Parkanlage für die Bevölkerung geöffnet wird. Inzwischen kann man dort aus- und eingehen und sich im Freien einen Kaffee gönnen. In der Schlosskirche trauen sich Paare fürs Leben, in den Himmelsaal marschieren Besucher an den Krankenzimmern vorbei zu Empfängen oder Konzerten.

Im Park gibt es Kinderfeste, eine Sportveranstaltung gar und viel Kultur; das Ambiente ist dafür geradezu prädestiniert, da kommen auch Weltstars: Joan Baez sang vor der Schlosskulisse, Carlos Santana griff in die Saiten und Yehudi Menuhin dirigierte. Alles in einem verträglichen Maß, so dass der Klinikbetrieb nicht allzu sehr gestört wird.

Siehe auch

Region Würzburg:


Region Main-Spessart:


Region Main-Tauber:


Region Bad Kissingen:


Region Hassberge:


Region Schweinfurt:


Region Kitzingen:


Region Aschaffenburg:

Weblinks

  • Übersichtskarte „Burgen und Schlösser in Franken“ der Main-Post