Schloss Weikersheim
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Schlafen zwischen Samt und Seide, träumen unter güldenem Himmel . . . Ob die blaublütigen Hohenlohe-Weikersheim-Langenburgs in ihren Prunkparadebetten auf Schloss Weikersheim gut geruht haben? Niemand weiß das heute.
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Prunkvolles Schloss
Wir sehen nur, dass die adeligen Damen und Herren mittels eines kleinen Hockers hoch steigen mussten, um sich unter ihre Federberge kuscheln zu können. Oder um dort oben im Bett zu thronen. Audienzen zu geben. Huldvoll zu nicken. Mit kleiner Perücke und sicher, dass der Baldachin über ihnen, ein edles Stoffgewölk, das Ungeziefer auffangen würde und dass Zofe und Diener ihnen mit Puder und Parfüm zu nobler Blässe und vornehmem Geruch verholfen haben.
Herren und Damen, die seinerzeit hier nächtigten, zeitweise auch wohnten, begegnet man auch heute noch, unsterblich geworden in den Ölporträts im Treppenhaus von Schloss Weikersheim. Wer im Ostflügel die flachen Steinstufen hinauf schreitet, schaut meist in blaue Augen. Entdeckt selbstbewusste, manchmal arrogante Gesichtszüge, ernste Würde in den Mienen und dicke Gesichter auf ebensolchen Hälsen. Schließlich hatten die Hohenloher samt weitläufiger Verwandtschaft satt zu essen, und das hatte der Maler gefälligst im Bild zu demonstrieren. Doppelkinn und große lange Nasen bedeuteten nämlich Reichtum. Auch die hohe Stirn der Adeligen ist symbolträchtig, zeugte sie von Wissen und Macht.
Brettspiel mit Bohnen
Der Wohntrakt oben ist voller Überraschungen. Da die jeweiligen Schlossherren nicht allzu viel Zeit in Weikersheim verbracht haben, sind die Prachträume unbeschadet erhalten. Original Barock- und Rokokomöbel, flandrische Wandteppiche, glänzende Leuchter aus Böhmen, blitzende Spiegel aus Venedig und Spieltische für Räuberschach und Kalaha, einem mit Erbsen, Linsen oder Bohnen zu spielenden Brettspiel, dem Gameboy dieser Zeit sozusagen.
Man gönnte sich ja sonst nichts. Ein bisschen Jagd, ein bisschen Tändelei außerhalb der Ehe. Vielleicht mit einem Logiergast, der nach einem Schäferstündchen nächtens an die Decke seines Schlafgemachs starren konnte. Dort flackerte das Kerzenlicht von einem Mord zum anderen. Die Deckenmedaillons mit ihren dargestellten Kriminalgeschichten aus der Historie ersetzen die Gutenachtgeschichte.
Und man gönnte sich ab und zu ein warmes Bad. Die Wanne und eine Toilette mit raffinierter Außenentsorgung waren seinerzeit eine Rarität. Damenkränzchen im Spiegelkabinett dagegen Alltag. Die Edlen trafen sich in einem der „schönen Zimmer Ihrer Durchlaucht“, dem Spiegelkabinett, nippten zwischen dickbäuchigen Porzellan-Buddhas und zartesten Tulpenväschen aus dünnwandigen Tässchen. Hier war man unter sich. Bisweilen jedoch leisteten sie auch den Herren Gesellschaft bei Gelagen im Rittersaal zur Musik einer achtköpfigen
Hofkapelle
Der Rittersaal ist ein überladenes Kuriosum mit einer astrologischen Spieluhr mit sechs Uhrwerken und Stucktieren an den Wänden, deren echte Geweihe und unförmige Gliedmaßen in den Saal hinein ragen. Heiß mag es dort unter der Kassettendecke bisweilen hergegangen sein. Man weiß von mehrtägigen Feiern, bei denen im Schnitt gute 6000 Liter Wein getrunken und 700 Kilogramm Fleisch, sowie zehn Spanferkel verzehrt worden sind.
Die abgebildeten Szenen oben erzählen Geschichten von Jagdglück, Freuden in der Natur und menschlicher Notdurft. Mitten in das Bildergewusel an der Decke hat der Maler eine Parforcejagd dargestellt und sich mit Pinsel und Palette selbst verewigt. Die hier feierten und lebten, sind auf verschiedenen Ahnentafeln verzeichnet. Eine reicht bis ins 15. Jahrhundert und fächert sich auf wie das Rad eines stolzen Pfaus.
Kunst und Kultur
Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg beispielsweise. Er war es, dem nach Regelung der Erbangelegenheiten ab 1586 die 450 Jahre früher erstmals erwähnte mittelalterliche Burg gehörte. Ihm, dem Renaissancefürsten, der in dieser spannenden Zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit weit gereist war und ein Bewusstsein für Kunst und Kultur entwickelt hatte, war das von einem Wassergraben umschlossene Gemäuer nicht mehr fein genug, zu finster und eng. Er ließ anbauen und erweitern. Einer seiner Nachfahren, Carl Ludwig Graf von Hohenlohe, verwandelte 250 Jahre später das Renaissanceschloss in eine barocke Residenz mit zauberhaftem Schlossgarten.
Dort stehen sie alle, steinerne Gnome mit Gestalt und Gesicht der Zofe und der Haushofmeisterin, des Hofrats, Hofjuden und Wachtmeisters, des Kassiers und des Trommlers. Auch der Faulpelz gehört zum Hofstaat. Er träumt in die Luft, lehnt lässig auf einem breiten Stock und schiebt das Bäuchlein behäbig Richtung Rosengarten.
Heute, 300 Jahre später, überziehen etwa 60 verschiedene historische Rosensorten dieses lustvolle Gartenreich mit ihrem Duft, den auch Göttinnen und Nymphen mit sparsamem Gewand bevölkern. Personal durfte damals den Garten nicht betreten. Heute ist er für jedermann begehbar, bis hinter zur Orangerie, die natürlich in keiner höfischen Anlage fehlen durfte. Sowohl im Gewehrhaus als auch im Gärtnerhaus gibt es immer wieder Veranstaltungen der Jeunesses Musicales, die die ehemals herrschaftlichen Räume mit internationalem Wohlklang füllt.In der ehemaligen Schlossküche dagegen geht es noch alchemistisch zu. Die Wissenschaftler im Mittelalter und der Renaissance wollten bekanntermaßen zu gern aus Metall Gold machen und waren auf der Suche nach Erklärungen und Zusammenhängen. Auch jener Graf Wolfgang II. von Hohenlohe, der an der Universität Tübingen studiert und auf ausgedehnten Reisen und Besuchen an europäischen Fürstenhöfen seinen Horizont erweitert hatte, war hinter diesem Geheimnis her. Eigenhändige Notizen, Listen von Chemikalienbestellungen und seine Gerätschaften sind in der Schlossküche zusammengetragen. Den Stein der Weisen hat auch er nicht gefunden. Aber er hat ein Schloss hinterlassen, das in seiner Ausstattung einmalig ist.
Siehe auch
Region Würzburg:
- Festung Marienberg
- Würzburger Residenz
- Reichelsburg
- Schloss Grumbach
- Schloss Reichenberg
- Schloss Veitshöchheim
- Schlössle Ochsenfurt
- Wasserschloss Erlach
Region Main-Spessart:
Region Main-Tauber:
- Deutschordensschloss Bad Mergentheim
- Burgruine Wertheim
- Burg Brattenstein
- Wasserschloss Waldmannshofen
Region Bad Kissingen:
Region Hassberge:
Region Schweinfurt:
Region Kitzingen:
- Schloss Castell und Schloss Rüdenhausen
- Schloss Hallburg
- Schloss Schwanberg
- Schloss Wässerndorf
- Schloss Weißenstein
- Vogelsburg
Region Aschaffenburg:
Region Rhön-Grabfeld


