Schloss Weißenstein
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Auf Schloss Weißenstein kann man sich in eine andere Zeit fallen lassen.
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Barocker Genuss
Stimmengewirr und Hufgetrappel. Räder knirschen, Peitschen knallen. Kutsche um Kutsche holpert den kleinen Anstieg hoch, am Marstall vorbei, hinein in den Hof. Lothar Franz von Schönborn hat geladen. Ein barocker Genussmensch, ein geistlicher Fürst, Kurfürst-Erzbischof von Mainz und Fürstbischof von Bamberg, Zeitgenosse von Ludwig IV., von Zar Peter dem Großen und August dem Starken.
Ein heiterer Mensch soll er gewesen sein, liebenswürdig, klug, von treffsicherer Menschenkenntnis. Und nach eigener Einschätzung befallen vom Bauwurm. Denn Schloss Weißenstein, einstmals ein kleines Wasserschlösschen, entspringt nicht nur seinem Bedürfnis nach Opulenz und Machtdemonstration, sondern seiner großen Liebe zu Kunst, Architektur und Malerei.
Er, dem von Staats wegen mehrere Schlösser zustehen, leistet sich aus privater Kasse ein Eigenheim, das bis heute zum Hauptwerk des deutschen Barocks zählt und von seinen Nachfahren, der Familie von Schönborn, als Sommerresidenz genutzt wird. Nach nur siebenjähriger Bauzeit – Grundsteinlegung war am 1. Oktober 1711 – ist sein Traumschloss vollendet.
Großer Empfang
Stellen wir uns vor, wir gehören zu den geladenen Gästen. Die Türen zum zweistöckigen, sonnig ockerfarben schimmernden Treppenhaus sind weit geöffnet. Seidene Röcke rauschen über flache Stufen. Neugierig und verstohlen schauen wir uns um: Stolpert jemand über seine perlenbesetzten Seidenschuhe? Verrutscht die hochdrapierte Perücke? Wie modisch ist das gewählte Gewand? Unsere Augen flitzten hin und her. Schielen durch die Arkaden zum farbenfrohen Deckenfresko hinauf, kehren um Richtung Gastgeber.
In seiner ganzen Pracht steht Lothar Franz dort oben. Empfängt Bücklinge, Knickse der Gäste. Dem Kaiser, der nie hier war, wäre er natürlich entgegengeschritten. Wer wem wie viele Schritte entgegengeht, wer wo wie viele Diener machen muss, bestimmt das Protokoll.
Gefeiert wird im opulenten Marmorsaal. In Öl blickt die gesamte Verwandtschaft von den Wänden, wohlgenährt und stattlich, nur manche Damen mit leiser Qual im Blick wegen der Dreißig-Zentimeter-Taillen, die in härtester Arbeit geschnürt wurden. Unter ihren Augen musizieren heute junge Künstler in diesem Saal. Sie sind für vier Wochen aus aller Welt angereist, um ihr Können an der Internationalen Sommerakademie des Collegium Musicum auf dem Schloss zu perfektionieren.
Gartensaal und Gemäldegalerie
Zur Rekreation gibt es den Gartensaal, vom Grottierer mit allem ausdekoriert, was glitzert und funkelt: Glaskugeln, Perlmutt, Spiegel, schimmernde Steinchen, glänzende Splitter.
Das Fest ist zu Ende, Kutschen rollen vom Hof, der Gastgeber zieht sich in die Privatgemächer zurück. Schreitet über eingelegte Fußböden, streicht mit der Hand über die kostbare Wandtäfelung, wirft einen Blick ins repräsentative Spiegelkabinett. Bevor er, auf seinem Himmelbett sitzend, in Schlaf fällt, mag er noch ein paar Schritte durch seine Gemäldegalerie geschlendert sein.
Große Meister hat er gesammelt, begegnet Rubens, Breughel, van Dyck, Tizian und Dürer. An die 2000 Gemälde zeitgenössischer Künstler hat er auf Auktionen zusammengetragen, ungehemmt seiner Leidenschaft für die Kunst gefrönt. Die Werke bedecken die Wandfluchten, erzählen in barocker Fülle von Tod und Leben, von frommem Denken, Idylle oder schreiendem Unrecht. So wie das Bild „Susanna und die beiden Alten“, auf dem sich Artemisia Gentileschi, eine der ganz wenigen Malerinnen ihrer Zeit, ihre Qualen von der Seele gemalt hat.
Öffnungszeiten
Mit über 800 Bildern ist die Schönbornsche Gemäldesammlung die größte in privater Hand. Zu besichtigen ist sie vom 1. April bis 31. Ok- tober während der stündlichen Führungen zur vollen Stunde täglich von 10 bis 17 Uhr, letzte Führung 16 Uhr. Der englische Park mit alten Bäumen und Damwild ist das ganze Jahr über geöffnet.
Übernachten können Besucher im Schlosshotel. Von Mitte Juli bis Mitte August stellen sich die internationalen Teilnehmer der Sommerakademie im Schloss zudem in regelmäßigen Konzerten vor.
Siehe auch
Region Würzburg:
- Festung Marienberg
- Würzburger Residenz
- Reichelsburg
- Schloss Grumbach
- Schloss Reichenberg
- Schloss Veitshöchheim
- Schlössle Ochsenfurt
- Wasserschloss Erlach
Region Main-Spessart:
Region Main-Tauber:
Region Bad Kissingen:
Region Hassberge:
Region Schweinfurt:
Region Kitzingen:
- Schloss Castell und Schloss Rüdenhausen
- Schloss Hallburg
- Schloss Schwanberg
- Schloss Wässerndorf
- Vogelsburg
Region Aschaffenburg:


