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Schloss Mainberg

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Schloss Mainberg.
Schloss Mainberg.
Ein Farbenproduzent, Nazi-Größen, Großindustrielle, ein Playboy, ein Haarwassererfinder, TV-Schauspieler. Die Geschichte von Schloss Mainberg ist nicht nur lang, sondern auch reich an berühmten Namen, denen der Bau aus dem 13. Jahrhundert entweder gehörte oder die dort zu Gast waren. Eine wechselvolle Historie mit schillernden Mosaiksteinchen, die den Menschen dort nicht immer Freude bereitete.


Inhaltsverzeichnis

Für 2700 Gulden

Durch das Dach strömte der Regen, alte Gewölbe waren in sich zusammengestürzt, ganze Mauern verschwunden: Menschen aus der Umgebung hatten sich aus den Schlossteilen Baumaterial gesichert. In diesem erbärmlichen Zustand präsentierte sich die einstmals so prächtige Burg mit ihrem wuchtigen Turm und dem dreigiebeligen Haupthaus anno 1822. 2700 Gulden warf der Schweinfurter Kaufmann Wilhelm Sattler in die Schatulle des Königreichs Bayern, dem kurz zuvor der Bau hoch über dem Maintal vor den Toren Schweinfurts zugefallen war.

Riemenschneiders Werke

Die Familie Sattler ließ das halb verfallene Bauwerk wieder herausputzen und münzte seinen vorhandenen Reichtum in wertvolle Sammlungen mit Kunstgegenständen (unter anderem mit Werken Tilman Riemenschneiders), Waffen, Krügen, Dosen und einer kostbaren Bibliothek um. Im Rittersaal untermauerte Sattler seinen unternehmerischen Weltruf: Er baute die erste Tapetenfabrik Bayerns auf; 600 Rollen verließen täglich die Mauern. „Ebenso geschmackvoll als die ältesten Pariser Fabriken und überdies wohlfeiler zu liefern“, rühmte Sattler seine Produkte gegenüber König Ludwig I., wie ihn Historiker Thomas Horling in seinem Werk „Mainberg. Das Dorf und sein Schloss“ zitiert. Darin hat er die wechselvolle Historie mit vielen Details zusammengetragen.

Sattler erfand das „Schweinfurter Grün“, das er in alle Welt verkaufte. Bei der Farbe handelte es sich aber um eine hochgiftige Melange aus Arsen und Kupfer, die Sattler wahrscheinlich das Leben kostete. Er hatte das Grün an den Schlosswänden kleben. Im benachbarten Schonungen, wohin Sattler seine Produktion verlagerte und an deren Stelle heute eine Wohnsiedlung steht, sind große Teile des Bodens verseucht: Mit 166 Grundstücken ist sie derzeit eine der größten Altlastenfälle Bayerns.

Eine weitere Schweinfurter Familie schrieb auf Schloss Mainberg Geschichte: die Sachs. Die Unternehmer kauften das Schloss 1915. Als Willy Sachs die Firma und die Burg übernahm, kam das Gemäuer im Windschatten der Nazi-Diktatur auch gesellschaftlich groß heraus. Sachs hielt Hof: mit den Wirtschaftskapitänen Fritz Thyssen und Günther Quandt (erster Ehemann von Magda Goebbels), Kampfflieger Ernst Udet und der ersten Reihe aus der Riege der neuen Machthaber – Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und Hermann Göring. „Die Trinkfreudigkeit und seine Jagdleidenschaft ließen Göring zu einem gern gesehenem Gast auf dem Schloss werden“, schreibt Thomas Horling.

Das Licht der Welt erblickte dort auch Gunter Sachs, weniger bekannt als Fabrikant, sondern als Größe des internationalen Jetsets. Doch Gunter Sachs verbrachte auf Mainberg nur wenige Jahre. Das Schloss entwickelte sich 1935 zum Schauplatz eines hässlichen Scheidungskrieges zwischen Willy Sachs und Elinor von Opel, in dem sie um jede Zuckerdose und jede Wandvertäfelung erbittert stritten. Es folgte der Umzug der Ex-Gattin mit ihren beiden Söhnen in die Schweiz. Den Gipfel soll die Auseinandersetzung erreicht haben, als unter Federführung von Himmlers SS die Entführung von Ernst Wilhelm und Gunter misslang, wie einige Zeitzeugen behaupten.


Hegers Haarwunder

Statt des Halalis elitärer Jagdgesellschaften, erklangen in den Wirtschaftswunderjahren auf Schloss Mainberg selbstbewusste Töne: Unternehmer Wilhelm Heger war einem Haarwunder auf der Spur. Der „Glatzendoktor“ stellte in den Mauern eine Kopftinktur her und brachte sie für teures Geld an den schütteren Mann. Heger selbst durfte sich mit Mercedes, Chevrolet und Chauffeuren schmücken. Einen Sommer lang. Dann war die Firma pleite und der „Glatzendoktor“ im Gefängnis.

In den 1980er Jahren zog die Gastronomie in die Mauern ein. Der Schweinfurter Geschäftsmann Gerhard Eichhorn sicherte sich das Schloss und investierte mehrere Millionen Mark. Nach dessen Tod im Jahr 2000 dauerte es einige Monate, bis 14 rechtmäßige Erben gefunden waren, die das Bauwerk wieder verkauften. Heute kann man im Gemäuer heiraten, wohnen, Geburtstage und Kommunion feiern oder Manager-Seminar abhalten. Die „Event-Gastronomie“ hat es auch für sich entdeckt: mit „Crime-Dinners“ und Partys. Und sogar „Pfarrer Braun“ alias Ottfried Fischer nutzte Mainberg als Drehort für die gleichnamige TV-Krimi-Serie(Das Erbe von Junkersdorf, ARD 2007).

Jetztzeit

Das Mosaik an Kuriositäten auf Schloss Mainberg ist noch lange nicht vollständig. Es stand auch wieder einmal zum Verkauf. Diesmal nicht für 2700 Gulden, sondern für 4,5 Millionen Euro. Nun ist das Schloss wieder im Besitz einer Einzelperson. Ein weiteres Kapitel in der Schlossgeschichte wird aufgeschlagen, daß die Geschichte der Gastlichkeit weiterführt.

Die Schlosstore sind wieder weit geöffent für Jedermann und Jederfrau!

Siehe auch

Region Würzburg:


Region Main-Spessart:


Region Main-Tauber:


Region Bad Kissingen:


Region Hassberge:


Region Schweinfurt:


Region Kitzingen:


Region Aschaffenburg:

Weblinks

  • Übersichtskarte „Burgen und Schlösser in Franken“ der Main-Post