Schloss Johannisburg
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Bevor die Amerikaner Ende März 1945 das mit sinnloser Erbitterung verteidigte Aschaffenburg eroberten, beschoss ihre Artillerie Schloss Johannisburg - und einer der prächtigsten deutschen Renaissance-Paläste brannte aus.
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Verschont im dreißigjährigen Krieg
Dass Schwedenkönig Gustav Adolf im Dreißigjährigen Krieg den Bau verschont hatte, lag wohl daran, dass die Bürger damals weniger fanatisch waren. Nach einer Legende ging 1631 ein alter Kapuzinerpater dem König entgegen und übergab ihm die Stadtschlüssel. Noch war die Gefahr freilich nicht gebannt. Nach dem Einzug in Aschaffenburg äußerte der Schwede sein Bedauern darüber, das erst 17 Jahre zuvor fertiggestellte Schloss der Mainzer Erzbischöfe niederbrennen zu müssen, da er es leider nicht nach Hause mitnehmen könne. Der listige Pater soll entgegnet haben, dies sei durchaus möglich, er müsse es nur in Richtung Norden rollen.
Fragend runzelte Gustav Adolf die Stirn, und der Pater verwies auf die unter jedem Fenster eingemeißelten Räder, das Mainzer Wappen. Die Legende berichtet, dass der König lachte, auf die Zerstörung verzichtete und ein Jahr in dem Prachtbau residierte – was er womöglich ohnehin vorgehabt hatte.
Selbst- und machtbewusst wie Gustav Adolf war auch der Erbauer des Schlosses, der Mainzer Erzbischof, Kurfürst und Reichserzkanzler Johann Schweickard von Kronberg (1604 bis 1626), zu dessen Besitztümern Aschaffenburg gehörte. Schweickard, ein Renaissancefürst reinsten Wassers, war nach dem Kaiser die Nummer zwei im Reich und der erste Kurfürst, der sein Porträt auf Münzen schlagen ließ.
Seinen Baumeister Georg Ridinger ließ er zwischen 1605 und 1614 einen 90 mal 90 Meter großen, majestätischen Koloss aus rotem Sandstein über den Main setzen, der als seine repräsentative Zweitresidenz fungierte. Das nötig Geld stammte wohl zum Teil aus dem beschlagnahmten Vermögen angeblicher Hexen.
Als Gustav Adolf erstmals die Schlosskapelle betrat und den Altar aus Alabaster und Marmor mit 150 Figuren erblickte, muss dem Protestanten der Atem gestockt haben: Eine der zwei größten Statuen stellt den Erbauer selbst dar; stolz hält Schweickard ein Modell seines Schlosses in der rechten Hand.
Die Katastrophe kam 1552
An gleicher Stelle hatte bis 1552 eine mittelalterliche Burg gestanden. Als einziges Relikt fand der schwedische Eroberer den Bergfried vor, das Hauptbollwerk, das ursprünglich wohl nur über eine Leiter zugänglich war. Schon zu den Zeiten der alten Burg hatten die Mainzer Kurfürsten eine Schlüsselrolle im Reich inne; sie brachten Glanz und berühmte Besucher in das Städtchen. Der Bau sah zahlreiche Fürstenversammlungen, außerdem Bischofs- und Provinzialsynoden in seinen Mauern. 1447 berief Kaiser Friedrich III. einen Reichstag nach Aschaffenburg ein.
Der kunstsinnige Albrecht von Brandenburg (1490 bis 1545), der mindestens drei Geliebte hatte, ohne Theologiestudium zum Kardinal und durch den massenhaften Verkauf von Ablässen zum reichen Mann wurde, holte bedeutende Künstler in die Stadt, darunter Matthias Grünewald und Lukas Cranach. Noch heute ist im Schloss die bedeutendste Cranach-Sammlung Europas zu sehen.
Die Katastrophe brach 1552 herein. Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach ließ die mit Kunstschätzen angefüllte „herrlich alt Reichskanzlei“ niederbrennen. Nur der Bergfried überstand die Zerstörung. Der ein halbes Jahrhundert später errichtete Neubau galt in Reisebeschreibungen des 17. und 18. Jahrhunderts als eines der schönsten Schlösser Deutschlands.
Rast für Kaiser und Fürsten
Zahlreiche Kaiser und Fürsten haben auf der Fahrt zu den Kaiserkrönungen in Frankfurt hier Station gemacht. 1619 lud der Bauherr zu Ehren des neu gewählten Kaisers Ferdinand II. zu einer festlichen Hoftafel ein. Es folgten 1658 Kaiser Leopold, 1775 Kaiser Franz I . und Kaiserin Maria Theresia und 1790 Kaiser Leopold II. Sie alle genossen von den Kaiserzimmern im zweiten Stock aus den weiten Blick über das Maintal.
In der Napoleonischen Zeit geriet Aschaffenburg als Teil des Rheinbunds unter französischen Einfluss. 1806 besuchte Napoleon die Stadt zum ersten Mal; er wiederholte seine Visite in den Jahren 1812 und 1813. Auch das mit Gold verzierte Baldachinbett, in dem er damals wahrscheinlich übernachtete, ist ausgestellt – Relikt einer Zeit, in der Aschaffenburg letztmals den Atem der Weltgeschichte spürte. 1814 kam die Stadt an Bayern; Glanz brachte gelegentlich noch der Kronprinz und spätere König Ludwig I., der zeitweise im Schloss wohnte und auch das benachbarte Pompejanum errichten ließ, den Nachbau eines Wohnhauses der vom Vesuv verschütteten Stadt Pompeji. Als die Arbeiten 1848 ihrem Ende zugingen, musste der König als Folge revolutionärer Ereignisse und wegen seiner skandalösen Affäre mit der Tänzerin Lola Montez allerdings abdanken.
Modelle aus Kork
Zeit seines Lebens begeisterte sich Ludwig für die Antike. Im Schloss fand er eine Reihe von Modellen antiker Ruinen Roms vor, die Hofkonditor Carl May aus Kork zunächst als Tischaufsatz für festliche Tafeln geschaffen hatte. Im Klassizismus, der in der römischen und griechischen Architektur das unerreichte Vorbild sah, wuchs das Interesse an diesen Ruinen dermaßen, dass May sich schließlich ganz auf die Produktion von Korkmodellen verlegte und seine Schöpfungen auch in das Ausland verkaufte, wo man sie in Bildungseinrichtungen studierte; eine Reise nach Italien konnten sich nur Begüterte wie Goethe oder König Ludwig leisten.
Mays Sohn Georg perfektionierte die Herstellung und stieß in ganze neue Dimensionen vor. Sein für Ludwig I. angefertigtes Kolosseum hat einen Durchmesser von über dreieinhalb Metern. Zwei Räume im Schloss sind heute der mit 54 Exponaten weltweit größten Kollektion von aus Kork angefertigten Architekturmodellen gewidmet. Als die Johannisburg 1945 ausbrannte, ging auch die an den Wänden befestigte Ausstattung der klassizistischen Stilräume verloren, während das Mobiliar rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden war. Mehrere Jahrzehnte dauerten Wiederaufbau und Rekonstruktion der Wohnräume von Erzbischöfen und Kaisern. Nachforschungen ergaben, dass in französischen Manufakturen die Originalvorlagen der Wandbespannungen erhalten geblieben waren, was die Arbeit erheblich erleichterte.
Große Cranach-Sammlung
Aschaffenburg besitzt im Schloss die größte Außenstelle der bayerischen Staatsgemälde-Sammlung. Sie präsentiert Dutzende von Arbeiten Lukas Cranachs des Älteren, seines Sohns und seiner Gesellen, dazu Werke des Rembrandt-Schülers Aert de Gelder und anderer flämischer und holländischer Meister.
Das städtische Schlossmuseum erinnert in Silberkammer und Jagdraum an die fürstliche Vergangenheit Aschaffenburgs. Auch wer moderne Malerei schätzt, wird fündig: Christian Schad (1894 bis 1982), Maler der Neuen Sachlichkeit, ist mit chirurgisch gemalten Porträts vertreten. In seinen letzten Lebensjahrzehnten wohnte er im Spessart und wandte sich dem Magischen Realismus zu.
In Aschaffenburg hängt auch Schads Selbstbildnis „Die Umgebung“ von 1967: Es zeigt den Maler in selbstbewusster Pose vor einer Kulisse mit der Rokokofigur Andromeda aus dem Veitshöchheimer Hofgarten, Pariser Prachtbauwerken und einer Straße an der Riviera. Dem auf seine Wirkung überaus bedachten Johann Schweickard von Kronberg hätte das Bild garantiert gefallen.
Öffnungszeiten
April bis September 9-18 Uhr, Oktober bis März 10-16 Uhr. Geschlossen ist montags sowie am 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember. Eintritt: vier, ermäßigt drei Euro.
Schlossweinstube
Gemütliches Restaurant im Erdgeschoss; im Sommer Terrasse mit Mainblick. Montag Ruhetag. Verschiedene Säle und kleinere Räume sowie die Treppenhalle können für Konzerte, Vorträge, Empfänge und gesetzte Essen gebucht werden.
Die Schlosskapelle steht für Gottesdienste, Trauungen und Taufen zur Verfügung.
Der Schlosshof ist geeignet für Konzerte, Stehempfänge, Märkte und Weinfeste bis maximal 6000 Personen.
Info: Schloss- und Gartenverwaltung, Schlossplatz 4, 63739 Aschaffenburg, Tel. (0 60 21) 38 65 70, Fax (0 60 21) 3 86 57 16, E-Mail: sgvaschaffenburg@bsv.bayern.de.
Umgebung
- Pompejanum, geöffnet von April bis Mitte Oktober von 9-18 Uhr, montags sowie Mitte Oktober bis März geschlossen.
- Stiftskirche mit der „Beweinung Christi“ von Matthias Grünewald. *Schloss und Park Schönbusch: Der Park ist ganzjährig zugänglich. Das Schloss ist von April bis September außer montags von 9-18 geöffnet und kann nur im Rahmen einer Führung (stündlich bis 17 Uhr) besichtigt werden.
Siehe auch
Region Würzburg:
- Festung Marienberg
- Würzburger Residenz
- Reichelsburg
- Schloss Grumbach
- Schloss Reichenberg
- Schloss Veitshöchheim
- Schlössle Ochsenfurt
- Wasserschloss Erlach
Region Main-Spessart:
Region Main-Tauber:
Region Bad Kissingen:
Region Hassberge:
Region Schweinfurt:
Region Kitzingen:
- Schloss Castell und Schloss Rüdenhausen
- Schloss Hallburg
- Schloss Schwanberg
- Schloss Wässerndorf
- Schloss Weißenstein
- Vogelsburg
Region Aschaffenburg


