Scherenburg
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Wohl wenige Wahrzeichen liegen so ortsnah und ungenutzt wie die Ruine der Scherenburg über Gemünden. Als nach kurzem, steilen Anstieg erreichbarer Aussichtspunkt thront das vielleicht 800 Jahre alte Gemäuer das ganze Jahr ruhig über den Dächern der Dreiflüssestadt. Außer im Sommer: Dann wird die Scherenburg dank der gleichnamigen Festspiele zur Kulturhochburg.
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Genutzt als Freilichttheater
So wie die nahezu dreieckige Burganlage den Südosten der fast quadratischen Stadtbefestigung deckt, bildet das Freilichttheater den kulturellen Eckpfeiler im Veranstaltungskalender Gemündens und des Landkreises Main-Spessart. Bis zu 25 000 Zuschauer erklimmen jährlich den Schlossberg. 45 Vorstellungen gibt der Festspielverein heuer. Dann sind Hof und Burgkeller bewirtschaftet.
Dass der Hof zwischen der erhaltenen Giebelmauer und dem Bergfried eine prächtige Kulisse für Theateraufführungen abgibt, hatten die Stadtväter schon vor 100 Jahren erkannt. Bereits 1909 wurde die Gemündener Sage vom Schlüsselfräulein und seiner unglücklichen Liebe dort aufgeführt. Drei Jahre später endeten die Festspiele in einem finanziellen Desaster.
Stoff für ein Drama
Ob sich Bürgermeister Otto Christin, seit 25 Jahren im Amt und 1912 zum Ehrenbürger ernannt, deswegen 1913 das Leben nahm, ist ungewiss. Sicher aber böten diese ersten Festspiele den Stoff zu einem Drama. Christins Tochter hatte die Hauptrolle gespielt und er wie auch andere Honoratioren der Stadt mit eigenem Vermögen für die Festspiele gebürgt.
Ein Amtsnachfolger Christins, der heutige Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach, griff in den 1980er Jahren die Idee der Burgfestspiele wieder auf. Eine Laienspielschar führte 1990 eine Neuauflage des „Schlüsselfräuleins“ auf. Zuvor hatten ehrenamtliche Helfer den mit Schutt angefüllten Burgkeller geräumt und nutzbar gemacht. Das zweischiffige Kreuzgewölbe unter dem Burghof, das auf sechs Rundsäulen und zwei rechteckigen Pfeilern ruht, dient heute als gediegener Veranstaltungsort und ist in der Festspielzeit bewirtet.
1998 standen die Festspiele – mittlerweile unter professioneller Leitung – wiederum aus finanziellen Gründen vor dem Aus. Die Stadt mochte das Defizit und das Risiko der wetterabhängigen Freilichtaufführungen nicht mehr tragen. Daraufhin gründete sich unter Vorsitz von Hans Michelbach der Festspielverein. Der erwirtschaftete seither in zehn erfolgeichen Theaterjahren rund 350 000 Euro, mit denen eine mobile Tribüne (585 Sitzplätze) und Überdachung sowie technische Ausstattung angeschafft wurden.
2002 hatte die Stadt den Burgkeller und die Toilettenanlagen für 280 000 Euro renoviert; sieben Jahre zuvor war in den Burgkeller eingebrochen und Feuer gelegt worden, sodass die Statik gefährdet war: Der Keller bekam eine Stahlbetonhaube. Von der modernen Baukunst ist in der imposanten Burgruine nichts zu sehen.
Wenn ab Mitte August das geschwungene Zeltdach, die Sitzreihen und die Kulissen der Festspiele abgebaut sind, verströmt das Gemäuer wieder mittelalterliche Atmosphäre. Dann gehört die Ruine für zehn Monate wieder allein den Touristen, Spaziergängern, Fledermäusen und – dem Geist des Schlüsselfräuleins.
Siehe auch
Region Würzburg:
- Festung Marienberg
- Würzburger Residenz
- Reichelsburg
- Schloss Grumbach
- Schloss Reichenberg
- Schloss Veitshöchheim
- Schlössle Ochsenfurt
- Wasserschloss Erlach
Region Main-Spessart:
Region Main-Tauber:
Region Bad Kissingen:
Region Hassberge:
Region Schweinfurt:
Region Kitzingen:
- Schloss Castell und Schloss Rüdenhausen
- Schloss Hallburg
- Schloss Schwanberg
- Schloss Wässerndorf
- Schloss Weißenstein
- Vogelsburg
Region Aschaffenburg:


