Psychisch kranke Eltern
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Psychisch kranke Eltern sind ein Problem, dass lange Zeit unterschätzt wurde. Für betroffen Kinder bedeutet die Krankheit ihrer Eltern oft das frühe Ende ihrer Kindheit.
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Der Tagesablauf von Hannah (10)
Morgens klingelt Hannas Wecker. Sie steht allein auf, macht Frühstück, weckt den kleinen Bruder. Nach dem Frühstück bringt sie erst ihn in den Kindergarten und geht dann selbst in die Schule. Wenn sie nachmittags nach Hause kommt, liegt ihre Mutter oft immer noch im Bett. Seit Wochen ist diese im Tief einer Depression förmlich abgetaucht, kann sich zu nichts aufraffen. Hannah sorgt dafür, dass in der Familie alles läuft.
Nicht nur die Mutter, auch Kinder wie Hannah brauchen besondere Hilfen, damit es im schlimmsten Fall nicht so endet wie jüngst in Berlin, wo eine schwer depressive Frau ihre drei Kinder mit in den Tod nahm.
Volkskrankheit Depression
Die Auswirkungen der Volkskrankheit Depression auf ganze Familien wurden lange unterschätzt. Jetzt rücken sie nicht nur auf Fachtagungen immer mehr in den Mittelpunkt. Vorsichtig geschätzt haben rund 1,6 Millionen Minderjährige in Deutschland mindestens einen Elternteil, der psychisch krank ist.
Erst die Eltern behandeln
"Zuerst geht es darum, die Erkrankung der Eltern zu behandeln und frühzeitig einzugreifen", sagt Prof. Anette Kersting, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Münster. "Psychisch kranke Eltern sind keine schlechteren Eltern, aber sie benötigen besondere Unterstützung."
Prävention gefragt
Gebraucht werden Präventionskonzepte, die die gesamte Familie einbinden. "Kinderärzte, Jugendämter, Psychiatrische Kliniken, Hebammen - alle müssen noch besser zusammenarbeiten und auch die Kinder der psychisch Erkrankten im Blick haben", fordert Kersting.
Tabuthema psychische Erkrankung
Oft trauen sich Kinder gar nicht erst, Außenstehende einzubeziehen. "Denn psychische Erkrankungen sind immer noch stigmatisiert", weiß Beate Lisofsky vom Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker. "Kinder leiden vielfach: Sie übernehmen die Elternrolle. Sie fragen sich 'Bin ich dran schuld, dass Papa traurig ist?' Sie trauen sich nicht, Freunde nach Hause einzuladen. Sie haben Sorge, vielleicht selber einmal krank zu werden." Manchmal könne schon eine Haushaltshilfe ein erster entlastender Schritt sein.
Eine verlässliche Bezugsperson für das Kind
"Nicht jedes Kind braucht eine psychiatrische Betreuung, aber wir wissen mittlerweile: Jedes Kind braucht mindestens eine verlässliche, gesunde Bezugsperson", sagt Lisofsky. Das können Verwandte sien, erwachsene Freunde, Nachbarn. Eine große Kampagne, vom Verband gemeinsam mit der BKK initiiert, soll Aufklärungsarbeit leisten, damit das Umfeld betroffener Familien - Freunde, Kindergärten, Schulen - nicht aus Hilflosigkeit wegschaut. Aber auch der Austausch mit anderen betroffenen Kindern in Gesprächsgruppen, wie es sie in einigen Regionen Deutschlands gibt, kann entlasten.
Soziale Probleme
Ein auffangender Rahmen ist auch deshalb wichtig, weil doch immerhin ein Viertel der Kinder eine gewisse genetische Disposition dazu hat, selbst psychische Probleme zu entwickeln. "Hinzu kommt, dass durch die Krankheit oft auch soziale Probleme entstehen. Manchmal gibt es schwierige Erziehungsmuster, die weitergegeben werden", sagt Kersting. Jüngere Kinder sind zudem darauf angewiesen, dass ihnen die Welt von den Großen gezeigt und erklärt wird. "Gerade kleinere Kinder werden aber möglicherweise ins Wahnsystem der Eltern einbezogen", weiß Lisofsky aus ihrer Arbeit.
Erste Gefahr droht schon nach der Geburt
Schon ganz früh, nämlich gleich nach der Geburt eines Kindes, gerät manche Familie aus dem seelischen Gleichgewicht. "Und auch hier muss immer noch Aufklärungsarbeit darüber geleistet werden, welche Symptome eine Wochenbettdepression haben kann und wie man damit umgeht", sagt Kersting. Das allseits präsente Bild der glücklichen frischgebackenen Mutter mache es vielen Frauen sehr schwer, sich den eigenen, vielleicht davon abweichenden Gefühlen zu stellen und Hilfe zu suchen.
Siehe auch
Weblinks
[Bild:http://www.kipsy.net Infos für Familien mit psychisch Kranken]



