Pestizide in Lebensmitteln
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Sie stammen schon aus dem Jahr 2006, die Zahlen, die der EU bezüglich Rückständen von Pestiziden in Lebensmitteln vorliegen. Die Pestizidrückstände sind so hoch wie nie zuvor. Das Papier ist alarmierend und liegt wohl deshalb noch unter Verschluss: Noch nie waren so viele Lebensmittel in der EU so massiv mit Pestiziden belastet. Von 55 000 untersuchten Proben fiel fast jede zweite (49 Prozent) durch Rückstände auf.
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In Deutschland besonders hoch
Aus deutscher Sicht besonders dramatisch: Hierzulande wurden in 6,2 Prozent der getesteten Obst- und Gemüse-Produkte Reste von Pflanzenschutzmitteln gefunden – deutlich mehr als in der übrigen EU (4,7 Prozent). Dies ist die Bilanz eines Berichtes, den die EU-Kommission bei der Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma/Italien in Auftrag gegeben hat.
Dabei handelt es sich um Zahlen für das Jahr 2006. Der Chemie-Experte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Manfred Krauttner, kritisiert derartiges Vorgehen. Denn: Wer esrt 22 Monate nach dem Verzehr einer Traube von deren gesundheitsschädlicher Giftfracht erfährt, hat keine Chance, sich zu schützen.
Obst und Gemüse besonders auffällig
Tatsächlich sind die Nachrichten von der deutschen Lebensmittel-Front heftig. Fleisch, Milch, Butter und Käse kommen vergleichsweise gut davon. Zwar fielen auch da bei jeder zweiten Probe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf. Aber stets in gesundheitlich unbedenklicher Konzentration. Bei Obst und Gemüse aber sind die Daten so auffällig, dass sogar das zu nüchterner Distanz verurteile Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit von „ungünstiger Rückstandslage“ spricht. Teilweise lagen die gemessenen Pestizid-Werte im zweistelligen Prozent-Bereich und über den geltenden Höchstmarken.
Lieblingsspeisen glücklicherweise unbelastet
Erfreulicherweise sind einige Produkte, die besonders gerne verzehrt werden, nicht unter denen, die am höchsten belastet sind: Äpfel, Birnen, Bananen und Karotten, Kartoffeln und Tomaten fielen nicht auf. Wohl aber Paprika, Rucola, Feldsalat oder Bohnen mit Hülsen. Vor allem bei Importware aus Nicht-EU-Ländern wurden Rückstände festgestellt, die die geltenden Grenzen für die gesundheitliche Unbedenklichkeit um bis zu zehn Prozent überschritten. Und: Bei vielen konnten regelrechte Pestizid-Cocktails aus verschiedenen Wirkstoffen nachgewiesen werden.
Gefährliche Chemikalien
Fünf der besonders häufig gefundenen Chemikalien sind auch besonders gefährlich. Sie gelten als krebserregend, verändern das Erbgut, schädigen die Fortpflanzung oder sind hormonell wirksam, wie es offiziell heißt. Dass die Kommission das brisante Papier erst einmal in der Schublade verschwinden ließ, hat seinen Grund: Auf europäischer Ebene wird gerade die Neufassung der Richtlinie zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beraten. Und die ist heftig umkämpft.
Während Bauernverbände und Chemie-Konzerne für einen weiteren Einsatz der Präparate als wichtigen Beitrag zu gutem Ertrag werben, formiert sich im EU-Parlament massiver Widerstand. Die Abgeordneten erwägen ein Totalverbot der Chemie auf den Äckern.


