login


Lactose-Intoleranz

Aus wiki.familieninsel.de

Wechseln zu: Navigation, Suche
"Milch drin, gut drauf" - auf Menschen mit Milchzucker-Unverträglichkeit trifft das nur bedingt zu.
"Milch drin, gut drauf" - auf Menschen mit Milchzucker-Unverträglichkeit trifft das nur bedingt zu.
Etwa zehn bis 15 Prozent der Europäer leiden unter einer Milchzucker-Unverträglichkeit (MZU), auch Laktose-Intoleranz, Laktase-Mangelsyndrom oder Laktase-Malabsorption genannt, schätzt Dr. Walter Burghardt, Ernährungsexperte an der Medizinischen Klinik des Uni-Klinikums Würzburg.

Viele der Betroffenen wissen es nicht. Sie ignorieren die Symptome oder halten die Folgen für normal: Hat es sich die Sahnetorte im Magen erst mal richtig bequem gemacht, beginnt es im Gedärm heftigst zu rumoren. Oder der Gang zur Toilette lässt sich nach dem Becher Milch plötzlich keine weitere Minute mehr verschieben.

Inhaltsverzeichnis

Die Beschwerden

Meist treten die Beschwerden rund eine halbe Stunde nach dem Verzehr milchhaltiger Speisen auf, weiß Dr. Burghardt. Ursache für Durchfälle, Übelkeit oder Leibschmerzen ist der in allen Milchprodukten enthaltene Milchzucker. Normalerweise kommt der Körper mit dem Milchzucker bestens zurecht. Bevor er den Dickdarm erreicht, zerlegt ihn das Enzym Laktase im Dünndarm in seine zwei Bestandteile - Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Menschen mit einer MZU mangelt es an diesem Enzym. Bei ihnen gelangt der Milchzucker ungespalten in den Dickdarm und bringt diesen dann je nach Laktose-Menge durch den bakteriellen Abbau des Zuckers mehr oder minder heftig in Wallung.

Verschiedene Formen

Es gibt verschiedene Formen der MZU. Die häufigste Form ist der angeborene (primäre) Laktase-Mangel. Zumeist kommt die Erkrankung im Erwachsenenalter zum Ausbruch. Kinder sind davon sehr selten betroffen. Sie produzieren fast alle das Enzym, um die Muttermilch zu vertragen. Der erworbene (sekundäre) Laktase-Mangel entsteht als Folge von Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, wie beispielsweise Morbus Crohn oder Infektionen.

Klarheit bringt eine ärztliche Untersuchung

Besteht der Verdacht, dass Milchprodukte nicht gut vertragen werden, bringt eine Untersuchung beim Arzt Klarheit. Mittels eines Atem- oder Blut-Tests kommen die Mediziner dem Enzym-Mangel auf die Spur. Bleibt die MZU unentdeckt, sind aber keine dauerhaften Schäden am Darm zu befürchten, betont Dr. Burghardt. Das beste Rezept für ein beschwerdefreies Leben: Man meidet alle Nahrungsmittel, die auch nur die Spur von Milch enthalten.

Lactose vermeiden

Die Möglichkeit, so der Laktose völlig zu entsagen, ist freilich nicht ganz einfach. Oft versteckt sie sich etwa in Soßen- oder Suppenpulvern, allerlei Fertiggerichten, Knabbereien, Süßigkeiten, Backwaren, Würzmischungen, Wurstwaren aber auch Tabletten. Für Betroffene sollten der Blick in die Zutatenliste oder den Beipackzettel und schlichtes Nachfragen beim Bäcker oder Metzger zur Gewohnheit werden. Viele Hersteller von Fertig-Produkten verschicken auf Nachfrage Listen mit entsprechenden Hinweisen.


Individuelle Verträglichkeitsgrenze

Da viele Menschen mit MZU keinen kompletten Laktasemangel haben, lohnt es sich für sie, die individuelle Verträglichkeitsgrenze für Milchprodukte auszutesten. Eine weitere Möglichkeit, der MZU zu entgehen: Mittlerweile bieten verschiedene Firmen Laktose-freie Milch, Joghurt oder Sahne an. Zudem gibt es in Apotheken oder Reformhäusern verschiedene Präparate, die genau das enthalten, was den betroffenen Menschen fehlt: das Enzym Laktase. Entsprechende Kapseln werden entweder direkt vor den Mahlzeiten eingenommen oder dem Essen beigemischt. Hat man die richtige Dosierung gefunden, mindern sie die Folgen der Unverträglichkeit.

Einen Vorteil haben Betroffene: Wenn sie mal Verstopfung haben, gibt es für sie nicht Billigeres, als mit einem Glas Milch die Verdauung wieder in Schwung zu bringen.

Hintergrund und Entstehung

Wissenschaftler vermuten, dass Nordeuropäer oder von ihnen abstammende Nordamerikaner und Australier erst mit der Einführung der Viehhaltung vor gut 10 000 Jahren angefangen haben, Milch zu trinken. Dadurch habe sich dann über Generationen die Fähigkeit durchgesetzt, auch als Erwachsener den Milchzucker zu spalten. Beleg dafür: Fast nur diese Menschen verdauen Milch problemlos. In anderen Ländern verlieren viele Babys diese Fähigkeit Jahre nach der Stillzeit wieder. In Asien etwa, wo kaum Milchprodukte verspeist werden, vertragen weit über 80 Prozent aller Erwachsenen keinen Milchzucker. In Nordafrika sind es immerhin 60 bis 80 Prozent. Die MZU ist nicht zu verwechseln mit einer Kuhmilch-Allergie.

Siehe auch

Quelle

Mainpost