Kinderarmut
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Kinderarmut ist nicht nur in armen Ländern ein Problem, sondern auch in den reichen Industriestaaten wie Deutschland. So wirkt sich Armut negativ auf die Entwicklung von Kindern aus, wie eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES) 2009 gezeigt hat. 2012 belegt eine Studie der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung: Vor allem Kleinkinder in Deutschland sind arm.
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Absolute Armut
Unterschieden wird heute zwischen absoluter und relativer Armut. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerkes UNICEF leben weltweit mehr als eine Milliarde Kinder in absoluter Armut, das heißt ihnen fehlen grundlegende Güter, um überleben zu können. Dazu gehören neben Geld und ausreichend Nahrung auch sauberes Trinkwasser, eine Wohnung und eine ausreichende medizinische Versorgung.
Relative Armut
In reichen Staaten wird Armut in Relation zum durchschnittlichen Lebensstandard der Gesellschaft berechnet. Von Armut betroffen sind hier also Kinder, die aufgrund der finanziellen Lage ihrer Familie nicht an den für ihre Altersgenossen üblichen sozialen und kulturellen Lebensbereichen teilhaben können. Dadurch sind sie oft in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt, was sich beispielsweise im Bereich Bildung zeigt. Auswirkungen kann ein Aufwachsen in relativer Armut aber auch auf die Gesundheit haben.
Kinderarmut in Deutschland
Die unter Dreijährigen sind in Deutschland besonders von Kinderarmut betroffen. Das geht aus der Studie der Bertelsmann-Stiftung (2012) hervor. Insgesamt ist die Kinderarmut hierzulande zwar rückläufig, doch gibt es große Unterschiede innerhalb der Bundesländer, Landkreise und Städte.
Sogar innerhalb ein und derselben Stadt kann es Viertel geben, wo es praktisch keine armen Kinder gibt, während in anderen jedes zweite Kind in einer armen Familie aufwächst. Das hat die Studie erstmals beispielhaft an den Städten Heilbronn (Baden-Württemberg) und Jena (Thüringen) nachgewiesen.
Bayern ist weiterhin das Bundesland mit der geringsten Armutsquote, in Ostdeutschland sind die Kinder am meisten von Armut bedroht. Im Jahr 2010 lebten im Freistaat laut der Studie 32 000 unter Dreijährige in Armut, zehn Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe. Zum Vergleich: In Berlin leben 36 Prozent aller unter Dreijährigen in Hartz-IV-Familien.
Ein armes Kind ist laut Carina Schnirch von der Bertelsmann-Stiftung beispielsweise seltener in Sportvereinen, seltener im Theater und lernt auch seltener ein Musikinstrument.
Um diese Chancenungleichheit zu beheben, hat die Bundesregierung im April 2011 das Bildungspaket eingeführt. So bekommen arme Kinder etwa Geld für den Sportverein oder Musikunterricht, fürs Mittagessen in Schulkantinen, für Klassenfahrten oder für Nachhilfe.
Ein Kind gilt in der Bertelsmann-Studie als arm, wenn seine Familie Hartz IV bezieht. Für ein solches Kind erhalten die Eltern monatlich 215 Euro, bis es sechs ist, bis zum Alter von 14 Jahren monatlich 251 Euro.
Kinderarmut in Bayern
Nach den Regionaldaten der Bertelsmann-Studie wuchsen im Jahr 2009 im Landkreis Freising 2,4 Prozent der unter Dreijährigen in armen Familien auf – beim „Spitzenreiter“ in der Stadt Hof waren es dagegen 32,4 Prozent.
Auch die Stadt Schweinfurt nimmt einen traurigen Platz in der Kleinkinder-Rangliste ein: Hier leben – nach Hof und Weiden in der Oberpfalz – mit 27,4 Prozent die meisten Dreijährigen aus Hartz-IV-Familien.
Jürgen Montag, Sozialreferent der Stadt Schweinfurt, sagte im Februar 2012 zu den Gründen, warum in Städten generell mehr Kinder leben, die auf Hartz IV angewiesen sind, als auf dem Land: „Alleinerziehende ziehen in der Regel in die Stadt, weil es dort eine medizinische Versorgung, Kindergärten und Schulen gibt.“ Und Alleinerziehende seien häufiger auf Hartz IV angewiesen als andere – genauso wie Migranten.
Siehe auch
Weblinks
- Bertelsmann-Stiftung: Studie zur Kinderarmut
- Website des Mannheimer Zentrums für Sozialforschung
- mainpost.de, 03.02.2012: "Studie: Vor allem Kleinkinder von Armut betroffen"



