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Hausaufgaben

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Hausaufgaben
Hausaufgaben
Hausaufgaben sind aus Schülersicht der Hauptfeind aller unbeschwerten Nachmittagsvergnügungen. Lehrer und Eltern sehen das anders: Für sie sind Hausaufgaben notwendig, um das Erlernte zu wiederholen, zu festigen und durch Eigenaktivitäten das Wissen zu erweitern.


Inhaltsverzeichnis

Wie viel Aufwand?

Wie viel Zeit die Hausaufgaben täglich beanspruchen sollen, ist nirgends festgelegt. Es gibt jedoch Richtwerte. So sollten in der ersten und zweiten Klasse maximal 30 Minuten für Hausaufgaben aufgewendet werden, in der dritten und vierten Klasse können es auch mal bis zu 60 Minuten sein. Sind die Arbeiten danach nicht erledigt, könnten weitere 10 bis 20 Minuten angehängt werden.

Findet das Kind dann immer noch kein Ende, bieten die Eltern ihre Hilfe an. Besser sei allerdings, die Hausaufgaben abzubrechen und dem Lehrer eine Notiz zu schreiben.

Kinder von weiterführenden Schulen kann man zumuten, täglich bis zu 90 Minuten, aber der siebten Klasse auch 120 Minuten mit Hausaufgaben zu verbringen.

Wann ist die beste Zeit?

Nach der Schule spielen Kinder besser erst einmal. Dann haben die meisten Jungen und Mädchen ein Leistungstief, sagt der Familienberater und Autor Jan-Uwe Rogge. Die Leistungsfähigkeit nehme erst wieder am Nachmittag zu.

Die beste Zeit für Hausaufgaben sei zwischen 16 und 17 Uhr. Da aber jedes Kind anders ist, sollte es selbst über den Hausaufgabenzeitpunkt mitentscheiden dürfen. Gut sei, sich auf eine Uhrzeit zu einigen und diese 14 Tage lang auszuprobieren. Bewährt sie sich, sollte sie zur Regel werden.

Regeln festlegen

Eltern sollten ihren Kindern feste Regeln für das Erledigen der Hausaufgaben vorgeben, um den Schulerfolg zu fördern. „Am besten ist es, wenn das zu einem festen Ritual wird - dann muss man nicht ständig darüber diskutieren oder mit Strafe drohen“, sagt der Lerncoach Adolf Timm. Viele Eltern trauten sich aber nicht, klare Ansagen zu machen, weil sie sich nicht unbeliebt machen wollen.

Das sei manchmal ein Fehler: Denn zu laxe Vorgaben seien oft zwar gut gemeint, in der Tat aber kontraproduktiv. „Verwöhnen ist der größte Motivationskiller“, sagt Timm. So sei es durchaus sinnvoll, vom eigenen Kind gute schulische Leistungen zu fordern. „Sonst fragen die sich ja, warum sie sich überhaupt anstrengen sollen.“

Kommen die Kinder dann mit einer "Eins" oder "Zwei" in Mathe nach Hause, dürften Eltern aber auch nicht mit Lob sparen, riet Timm. „Das kommt häufig zu kurz. Da gehen viele Eltern nach dem Motto vor: Nicht geschimpft ist genug gelobt.“ Kinder bräuchten aber die Anerkennung der Eltern, um gute Noten als Erfolgserlebnisse verbuchen zu können. „Sonst drückt das wiederum auf die Leistungsmotivation.“

Damit es möglichst wenig Streit um die Hausaufgaben gibt, sollten Eltern nicht die ganze Zeit danebensitzen. Besser sei, die Aufgaben am Anfang zu erklären und die Ergebnisse am Ende durchzusprechen, rät Jan-Uwe Rogge. Möchte das Kind Tipps haben, sollten diese kurz ausfallen und das Kind anregen, selbst zur Lösung zu gelangen. Setzen sich Eltern doch dazu, halten sie sich besser mit Kommentaren zurück. Ständige Belehrungen förderten nicht das Denken.

Studie zum Sinn von Hausaufgaben

Der Sinn von Hausaufgaben wurde durch eine Studie der Technischen Universität Dresden 2007 übrigens in Frage gestellt. Nach dieser Untersuchung haben Hausaufgaben keinen nachweisbaren Einfluss auf die Schulnoten, was der Studienleiter Professor Hans Gängler, so erklärt: Gute Schüler werden durch Hausaufgaben nicht unbedingt noch besser, und schlechte Schüler begreifen zuhause durch bloßes Wiederholen noch lange nicht, was sie schon am Vormittag nicht richtig verstanden haben.

Tipps für entspannende Hausaufgaben

Kinder, die sich freiwillig an die Hausaufgaben setzen, scheinen die absolute Ausnahme zu sein: "Hausaufgaben sind ein großes Thema bei Eltern und ihren Kindern", hat Britta Kohler beobachtet. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Tübingen. Die Kinder trödeln, quengeln oder meckern, die Eltern halten Vorträge, sind ungeduldig und wollen, dass der Nachwuchs endlich zur Sache kommt.

Grund ist häufig großer Leistungsdruck: "Eltern achten sehr darauf, dass ihr Kind gute schulische Leistungen erbringt, denn die Schullaufbahn gilt heute als Zukunftsversicherung", erläutert Kohler. "Hausaufgaben haben damit oft schon ab der ersten Klasse eine extrem hohe Bedeutung"», ergänzt Carmen Wöhler vom Therapiezentrum für Kinder und Jugendliche mit Teilleistungsstörungen in Köln.

"Viele Eltern sind sehr ungeduldig, belehren und verbessern ihr Kind, anstatt es zu motivieren", erläutert Monika Rammert, Diplom-Psychologin und Autorin aus Bielefeld. "Kinder brauchen aber das Gefühl, ihre Sache gut und selbstständig zu machen."

  • Die beste Zeit finden: "Generell sollte erst einmal herausgefunden werden, wann die beste Zeit für die Hausaufgaben ist", empfiehlt Britta Kohler. Während sich viele Kids gleich nach dem Mittagessen an die Aufgaben machen, wollen andere erst spielen und sich austoben. "Für manche Kinder ist der späte Nachmittag oder frühe Abend ideal."
  • Der richtige Platz: Ob die Hausaufgaben am Schreibtisch im eigenen Zimmer oder am Küchentisch gemacht werden, ist eine individuelle Entscheidung: "Es gibt da kein richtig oder falsch", findet Rammert. "Das Kind sollte aber nicht durch kleinere Geschwister, Radiomusik oder andere Ablenkungen gestört werden", rät Diplom-Pädagogin Wöhler.
  • Möglichst allein: Auch wenn Kinder wünschen, dass Mama oder Papa mit am Tisch sitzen: "Ideal ist das nicht", meint Britta Kohler. "Eltern sollten keine Hilfslehrer sein." Psychologin Monika Rammert empfiehlt, sich für Fragen in der Nähe aufzuhalten. Das bedeutet aber nicht, etwas sofort zu erklären, wenn es unklar ist. "Helfen Sie Ihrem Kind lieber, den Lösungsweg selbst zu entdecken", rät Rammert.
  • Auf die Dauer achten: Wer feststellt, dass sein Kind täglich zu viel Zeit für die Hausaufgaben benötigt, sollte sich an den Lehrer wenden oder das Thema auf einem Elternabend ansprechen. "Es gibt für jede Altersstufe Empfehlungen", erklärt Kohler. So sind in der ersten und zweiten Grundschulklasse 20 bis 30 Minuten vorgesehen, ab der fünften Klasse bereits eine Stunde. "Wenn Kinder ständig länger brauchen, kann eine Überforderung vorliegen", sagt Wöhler.
  • Erfahrungen sammeln lassen: "Mein Gott, hast du da rumgepfuscht!" - auch der Anblick erledigter Hausaufgaben lässt Eltern so manches Mal erschaudern. "Aber dieses Gemeckere bringt nichts!", findet Monika Rammert. Statt Vorträge zu halten, kann die Nachfrage "Glaubst du, das ist so in Ordnung?" viel effektiver wirken. "Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen sammel"», ergänzt Rammert. Und wenn die Hausaufgaben voller Fehler sind, gibt es das Echo am nächsten Tag in der Schule.

Siehe auch

Weblinks

ZAL - das Online-Mathespiel zum Wissenschaftsjahr 2008

Quelle

Main-Post, dpa