Gudrun Pausewang
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Bestsellerautorin, Jugendliteraturpreisträgerin, unerbittliche Kritikerin von gesellschaftlichen Missständen - die Schriftstellerin Gudrun Pausewang wird am 13. November 2009 von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach mit dem Großen Preis für ihr literarisches Lebenswerk ausgezeichnet.
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„Die Wolke“
Bekannt wurde 1928 in Ostböhmen geborene Schriftstellerin in den 1980er Jahren vor allem mit Büchern über die atomare Bedrohung und die Armut in Südamerika. Ihr erfolgreichster Roman, „Die Wolke“, erhielt 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Die Geschichte von Janna-Berta, einer Jugendlichen aus der Nähe von Fulda, die nach einem Reaktorunfall im Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld ihre gesamte Familie verliert und selbst verstrahlt wird, gehört zu den meistgelesenen Jugendbüchern und Schullektüren. 2006 wurde er erfolgreich verfilmt.
Unbequeme Themen
Wie kommt die Schriftstellerin dazu, sich dieses Themas anzunehmen? Sicher, das Buch entstand unter dem Eindruck von Tschernobyl, dennoch zieht Pausewang ihren Antrieb aus noch einer anderen Quelle.
Man beginnt sie zu verstehen, wenn sie aus ihrer Biographie erzählt. Von ihren idealistischen Eltern, die sich in Ostböhmen einen autarken Bauernhof aufbauten und dann der Nazi-Ideologie verfielen. Von ihrem Vater, der sich freiwillig zum Krieg meldete und in Russland fiel. Von sich selbst, die 1945 als junges Mädchen Hitlers Tod beweinte.
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Frage „Warum habt ihr nichts getan?“" prägt sie bis heute. Deshalb spürt sie eine Verantwortung für kommende Generationen.
„Ich schreibe Bücher, um zu warnen“
Aus diesem Verantwortungsbewusstsein zieht sie die Hauptthemen ihrer literarischen Arbeit: Nie wieder Krieg, Umweltschutz, Elend in Südamerika, Rechtsradikalismus. Kein Zweifel: Sie ist eine politische Schriftstellerin, für sie ist Literatur mehr als nur Kunst, sondern Instrument gesellschaftlicher Veränderung. Daher betont sie unmissverständlich: „Ich schreibe Bücher, um zu warnen.“
Panikmache nennen es die einen, bezeichnen Pausewang gar als "Lehrerin der Angst". Für die Schriftstellerin ist Angst ein ganz natürliches Gefühl, ein Gefühl auf das man hören sollte, auch wenn es viele verlernt haben. Einmal schrieb ihr ein Lehrer: "Könnte man an den Schluss des Buches die Wolke noch einen Satz anhängen: Da wachte Janna-Berta auf und merkte, dass alles nur ein böser Traum war." Dann, so Pausewang, hätte sie das Buch nicht schreiben brauchen.
Diesen Ansatz eines positiven Endes nennt die Autorin den übermächtigen Sog des scheinbaren Glücklichseins, der viele Jugendlichen erfasst habe, das Leben jedoch bestehe nicht nur aus erfreulichen Ereignissen.
Trotz ihrer unbequemen Themen erfreut sich die Schriftstellerin ungebrochener Popularität. Vor kurzem erhielt sie einen Brief eines 12-jährigen Jungen: "Sehr geehrte Frau Pausewang, hiermit möchte ich ihnen mitteilen, dass ab sofort die Atomindustrie einen Gegner mehr hat."
Bücher von Gudrun Pausewang
Eine Auswahl der Romane von Gudrun Pausewang:
- Rio Amargo 1959
- Hinterm Haus der Wassermann 1972
- Karneval und Karfreitag 1976
- Kunibert und Killewamba 1977
- Der Streik der Dienstmädchen 1979
- Die letzten Kinder von Schewenborn (1983)
- Die Wolke (1987)
- Etwas läßt sich doch bewirken (1988)
- Der Glücksbringer (1995)
- Wiedersehen mit Anna (1997)
- Hörst du den Fluss, Elin? (1998)
- Und was mach ich (2003)
- Der Spinatvampir (2003)
- Die Meute (2006)



