G8
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Lässt das G 8, also das Gymnaisum, das in acht Jahren zum Abitur führt, mit Nachmittagsunterricht und Stofffülle noch genug Zeit zum Leben? Diese Frage stellte Gisela Rauch, Redakteurin der Main-Post und Expertin für Schule und Familie bei einer Podiuzmsdiskussion.
Rudolf Schmitt, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Unterfranken, bejahte dies. Er gab zwar zu, dass die Einführung des G 8 im Jahr 2004 nicht glücklich verlaufen sei. Mittlerweile aber sei die Stimmung vor Ort merklich besser. Er stellte eine "sehr große Akzeptanz" fest. München habe viele Konsequenzen gezogen, so soll es ab dem kommenden Schuljahr nur an zwei Nachmittagen Unterricht geben, und der Lehrplan sei um ein Neuntel gekürzt worden.
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Kinder überlastet
Dem konnte ein sichtlich betroffener Vater nicht zustimmen. Die Einführung des G 8 sei eine Unverschämtheit gewesen, "das darf nicht kleingeredet werden". Durch seine Familie gehe seither ein Riss, klagte er. Eines seiner Kinder sei an der Schnittstelle vom G 9 zum G 8 durchgefallen, habe psychologische Behandlung benötigt und gehe jetzt in Hessen aufs Gymnasium.
Eine Mutter stellte unter großem Beifall die Frage, wie denn den Kindern geholfen werden solle, die "mittendrin stecken". Ihre Tochter besucht die 8. Klasse. "Die Kinder kriegen keine Hilfe und sind überlastet. Sie tun mir leid, das Kindsein und Menschsein ist weg." Ihre Tochter sitze am Wochenende über den Vokabelkästen. Wenn eine Schulaufgabe ansteht, sei kein Familienausflug möglich.
Zu viel Stoff im Lehrplan
Christiane Kerner, Elternbeiratsvorsitzende des Deutschhaus-Gymnasiums in Würzburg, sah die Eltern beschäftigt, "das G8 zu flicken, damit den Kindern möglichst wenig Schaden geschieht". Es sei zu viel Stoff im Lehrplan, kritisierte sie. Ihre Tochter im G 8 sei länger in der Schule und brauche mehr Zeit zum Lernen als der Bruder im G 9. "Ihren Sport hat sie aufgegeben."
Auch ein Schüler war in der Runde vertreten, der allerdings noch das G9 besucht. Jonas Hetterich ist Schülersprecher am Wirsberg-Gymnasium und sprang ein, weil es in Würzburg noch keine G 8-Schülersprecher gibt. Er hätte gerne das Gymnasium in acht Jahren absolviert, "weil man dann im Vergleich mit anderen Ländern an der Uni besser dasteht." Er habe viele G8-Schüler nach ihrer Freizeit gefragt, und alle könnten ihre Hobbys noch pflegen.
Problematisch für Vereine
Von Problemen berichtete Andrea Schanzer von der Musikschule Würzburg: Es falle schwerer, am Nachmittag Gruppen zu bilden, weil die Schüler dann Unterricht haben. Auch sinkt die Bereitschaft, sich zusätzlich im Orchester zu engagieren. Neue Wege beschreiten Roland Händle und Efram Yaman, Sportlehrer am Deutschhaus. Sie gründen Sportklassen, weil sonst die Schüler nicht zeitgleich trainieren können.
Das G8 allein ist nicht schuld
Von einer individuellen Belastungsgrenze sprach Schulpsychologe Ulf Cronenberg (Deutschhaus). Man dürfe die Belastung nicht monokausal auf das G 8 schieben. Das Leben insgesamt habe sich beschleunigt, die Ansprüche an die Freizeit seien gestiegen, und Computer sowie Fernsehen sorgten für zusätzliche Ablenkung. "Stress prägt unser Leben", betonte er.
Helfen mehr Ganztagsschulen?
Als Abhilfe wurden neue Organisationsformen für Sport und zusätzlichen Musikunterricht diskutiert. Hans Reinfelder, Leiter des Röntgen-Gymnasiums, fand den Vorschlag gut, Musik und Sport an die Schule zu verlegen und mehr Ganztagsschulen zu gründen.
Moderatorin Gisela Rauch wandte ein, dass dies eine Überfliegerdebatte sein könne. Es komme auf die Frage an, wie viel Raum zum Leben den Kindern bleibe. Diese Frage bewegte auch die Eltern, die sich zum Teil sehr kritisch zu Wort meldeten. So wurde befürchtet, den Kindern werde die Persönlichkeitsentwicklung genommen.
Kabarettistin Heike Mix gewann dem Problem eine ironische Sicht ab: Ihre neuen Walking-Stöcke habe sie in die Ecke gelegt, weil sie ihrer Tochter so viel bei den Hausaufgaben helfen müsse: "Abgenommen habe ich nix, aber ich kann jetzt Latein."
Siehe auch
- Schulstress
- Umfrage: Missstände an deutschen Schulen
- Gymnasium
- Lärmbelastung
- Schulranzen-Studie
- Lernen lernen
- Ganztagsschule
- Forsa-Umfrage zum Schulsystem


