Erwachsene Kinder
Aus wiki.familieninsel.de
Tabuthemen sollte es zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern nicht geben. Denn wie in jeder Beziehung müssen auch hier irgendwann heikle Themen angesprochen werden. Es kommt allerdings aufs Wie an.
"Wann kommen denn endlich Enkel?", oder "Dein neuer Partner gefällt mir nicht" - Fragen und Aussagen, die keiner gern hört. Dürfen Mutter oder Vater solche Dinge überhaupt ansprechen? Ja, aber vorsichtig, meint Jan-Uwe Rogge, Familien- und Kommunikationsberater aus dem schleswig-holsteinischen Bargteheide.
Bevor sie derart in die Offensive gehen, sollten sich Eltern erst einmal fragen, ob sie wirklich nur ihren Wunsch äußern möchten oder ob sie ihre Kinder möglicherweise noch gar nicht richtig losgelassen haben. Manchmal sehen sich Eltern immer noch als der allwissende Vater oder die allwissende Mutter und möchten ihre Kinder auch als Erwachsene noch beeinflussen.
Außerdem sollte jeder für sich klären, warum es sich um ein scheinbar heikles Thema handelt, rät der Familientherapeut Tom Pinkall aus Potsdam. Vielleicht habe man ja auch ein Bild von den eigenen Kindern, das längst überholt ist. Denn möglicherweise ist der Sohn gar nicht mehr der aufbrausende Junge, der sofort alles falsch versteht. "Besser ist deswegen, es nicht schon im Vorfeld als schwieriges Gespräch anzusehen, sondern als Chance, das Eltern-Kind-Verhältnis auch im Alter neu auszutarieren."
Geht man so vor, kann - abhängig von der Beziehung zueinander - grundsätzlich jedes Thema ansprechen. Forderungen, wie etwa den Satz "ich möchte Enkelkinder", sollte man dabei allerdings nicht stellen. Stattdessen könnten Eltern den Kindern in einem Gespräch erzählen, dass sie den Wunsch verspüren, Oma und Opa zu werden. Dabei muss aber klar sein: Die Kinder müssen einem nicht jeden Wunsch erfüllen, der geäußert wird.
Walter Andritzky, Diplom-Psychologe aus Düsseldorf, rät zu mehr Vorsicht: "Es ist besser, allgemein zu fragen, zum Beispiel 'Wie sieht denn deine Familienplanung aus?'". Immerhin bleibe in Deutschland fast jede zweite Ehe kinderlos - gewollt oder ungewollt. Deswegen sollten Eltern gerade zu Beginn vorsichtig vorgehen und abtasten, ob sie bei ihren Kindern nicht vielleicht den Finger in eine Wunde legen.
Auch wer seine Kinder gerne häufiger sehen will, sollte seinen Wunsch in Wort fassen, statt Besuche einzufordern. "Die Kinder sind in ihrem Alltag meist selber gefordert, deswegen ist es besser, ihnen Anreize zu schaffen und sich für sie interessant zu machen"» Dazu könne beispielsweise gehören, auf die Enkel aufzupassen, spannende Ausstellungen herauszusuchen und den Kindern einen gemeinsamen Besuch dorthin anzubieten. Oder einen erholsamen Kurzurlaub zu planen.
Schwieriger ist es, den Partner des Kindes zu kritisieren. "Das ist ein sehr sensibles Thema", warnt Andritzky. "Eltern sollte dabei klar sein: Kinder verlassen ihre Partner meist nicht, weil die Eltern ihn oder sie nicht mögen." Deswegen müsse man sich in diesem Fall gut überlegen, was man kritisiert und das begründen können.
Eine Alternative sei, Fragen zu stellen anstatt offene Kritik zu äußern, rät der Diplom-Psychologe. "Wer verdient bei euch das Geld?" oder "Wer kümmert sich um die Kindererziehung?" - solche Fragen bewegten bei den Kindern möglicherweise mehr als die dominante Aufforderung "Verlass den Kerl!".
Siehe auch
- Großelternstudie
- Wenn sich Großeltern einmischen
- Großeltern
- Weihnachten mit den Großeltern
- Weihnachten bei getrennten Eltern


