Elternzeit auf Probe
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Muttersein ist toll – denn Mütter sind angesehen in der Gesellschaft; Muttersein ist aber auch eine höchst anstrengende Sache - das erfahren die Mädchen, die am Projekt "Elternzeit auf Probe" teilnehmen. 2006 Jahr startete die Einrichtung "frauen beraten" in Würzburg das Projekt. Seitdem üben Mädchen und junge Frauen aus der Region Muttersein mit einem Babysimulator.
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Nach drei Baby-Tagen völlig geschafft
Ein Baby ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Eben dies führt die Babypuppe vor. Die Puppe will gefüttert werden. Regelmäßig sind die Windeln zu wechseln. Das Baby schreit. Es will, dass die Mutter es in den Arm nimmt und beruhigt. Nachts kann das kleine Kind mitunter im Stundentakt schreien. Nach den drei Baby-Tagen mit der Puppe sind viele Mädchen völlig geschafft, erzählt Andrea Wagner, Leiterin der Würzburger Beratungsstelle.
Manche Jugendliche, die zuvor unbedingt ein eigenes Kind haben wollte, möchte das "Projekt Muttersein" nach dem Versuch mit der Babypuppe lieber doch nicht sofort in Angriff nehmen. Dass der Wunsch vieler Mädchen nach einem Kind "zum Liebhaben" groß ist, bestätigt Sozialpädagogin Heike Link. Oft seien es Jugendliche ohne gute berufliche Perspektiven und aus benachteiligten Elternhäusern, die sich als Mutter einen anerkannten Platz in der Gesellschaft erobern wollen.
Kostenloses Projekt
Das für die Jugendlichen kostenlose Projekt "Elternzeit auf Probe" soll keinesfalls Angst vor dem Muttersein machen, betonen Wagner und Link. Allerdings – Illusionen werden den jungen Frauen genommen. An drei Tagen erleben sie, dass sie als Mutter eines Kleinkindes fast keine ruhige Minute mehr haben. Die Freundin ruft an, doch aus dem Plausch wird nichts. Denn das Kind schreit und will gefüttert werden. Die Clique hat sich fürs Kino verabredet. Doch Mama muss zu Hause bleiben und das Kind versorgen.
Durchhaltevermögen ist in den drei Tagen gefragt, denn das Programm, das die Puppe steuert, kann nicht einfach für ein paar Stunden angehalten werden. Die meisten jungen Frauen hielten bisher auch tatsächlich tapfer durch, obwohl die Nächte für sie mitunter schrecklich waren. Nur ein Mädchen brachte die Puppe während der Probezeit zurück. Ein weiteres Mädchen legte die Puppe genervt zur Seite. Der Computer zeichnet alles auf. Und entlarvt bei der Nachbesprechung mit den Sozialarbeiterinnen Vernachlässigungen oder Misshandlungen.
Der Partner muss mitmachen
Das Baby kann vor allem dann zum lästigen Anhängsel werden, wenn der Partner nicht mithilft. Auch hier wurde manche junge Frau desillusioniert. Vor dem Versuch war sie davon überzeugt, dass ihr Freund sie tatkräftig unterstützen würde. Der zeigte am ersten Tag vielleicht auch noch guten Willen. Doch nicht selten flaute die Begeisterung am Baby danach erheblich ab – und die junge Frau blieb mit dem Kind alleine.
Kontaktadresse
Beratungsstelle "frauen beraten": Tel. (09 31) 4 04 48 55.


