Cyber-Mobbing
Aus wiki.familieninsel.de
Sie machen sich gegenseitig runter und die ganze Schule liest mit: Im Internet beschimpfen sich Jugendliche immer öfter ohne Rücksicht auf Verluste. Cyber-Mobbing heißt diese virtuelle Variante der Schikane.
Inhaltsverzeichnis |
Mehr als eine Hänselei
Was früher eine Schulhof-Hänselei blieb, ende heute in virtuellen Gemeinschaften in regelrechten Hassgruppen. „Das sind die neuen Möglichkeiten des Web 2.0, die Jugendlichen nutzen sie, aber übertragen nicht die üblichen Umgangsformen darauf“, sagt der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann.
Studien zufolge war jeder vierte bis fünfte Schüler schon vom sogenannten Cyber-Mobbing betroffen - mit zum Teil gravierenden Folgen, wie Gerstmann sagt: „Für die Kinder bricht die Welt zusammen. Sie können sich nicht wehren, brechen in der Schule zusammen.“ Das Problem stand deshalb im Zentrum des „Safer Internet Day“ am 10. Februar 2009. Bundesweit waren Schulen aufgerufen, über Cyber-Mobbing in den Klassen zu diskutieren.
Ein Entkommen ist nur schwer möglich
Online-Communities wie SchülerVZ, Wer kennt wen und Lokalisten seien aus dem Alltag der meisten Schüler nicht mehr wegzudenken, sagt Gerstmann. Deshalb ende das Mobbing nicht an der Schultür. Es gebe keine Rückzugsmöglichkeit mehr – kaum kommt man aus der Schule und macht Handy und Internet an, findet man Kommentare über sich.
Die virtuellen Attacken blieben auch kaum jemandem verborgen: Früher war das Ärgern auf die Klasse beschränkt, jetzt weiß es gleich die ganze Schule. Selbst ein Schulwechsel bringt Betroffenen nichts mehr, weil dort der Neue häufig zunächst im Netz erkundet wird.
Cyber-Mobbing vorbeugen
Viele Facetten des Cybermobbing sind oft ein „pubertäres Problem“ sagt Gerstmann. Es gehe ums Abgrenzen, das Identitäten- und Cliquenbilden - doch mit deutlich durchschlagender Wirkung. Während das gesprochene Wort vergänglich ist, ist es im Internet „wie in Stein gemeißelt.“ Kritisches komme im Netz viel schärfer rüber, Ironie werde oft nicht erkannt. Viele Jugendliche mobbten aus Unwissenheit, dass das so eine große Wirkung habe.
Gerstmann will Schülern das Netz nicht verbieten, rät aber zu gewissen Regeln: Keine privaten Fotos einstellen, sein Profil nur auf Anfrage zeigen, nicht bei jedem Angriff Contra geben. „Generell gilt: Äußere Dich mit Bedacht. Und wende Dich an Erwachsene.“ Sein Tipp für die Eltern, die oft wenige Ahnung von den Communities haben: Sie müssten sich technisch auf dem Laufenden halten, etwa durch Schulungen.



