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Burgruine Wertheim

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Die Burgruine Wertheim im Taubertal.
Die Burgruine Wertheim im Taubertal.
Burgruine Wertheim: Löwenzahn und Brennnesseln haben ihre Blüten abgeworfen, fette Hollunderbüsche nicken lautlos im Hauch des frühen Morgens. Dort unten, wo Main und Tauber sich träge zusammenschieben, scheint die Welt friedlich. In dieser frühen Stunde ruht das Fachwerk-Städtchen Wertheim gemächlich zu Füssen der roten Ruine, die Dächer von Stiftskirche und Herrenhäusern glitzern in der frischen Sonne.


Inhaltsverzeichnis

Hoch über Wertheim

Solch lichtdurchflutete Morgenstunden regen alle Sinne an. Nichts lenkt ab vom Herzschlag der Natur und dem, was Menschen hineingestellt haben. Es ist Hunderte von Jahren her, dass sich tapfere Helden diverser Kreuzzüge und mächtige Verwandte der Hohenstaufer auf der schmalen Felszunge über Wertheim niedergelassen und eine Burg errichtet haben. Den Grafen von Wertheim gewährte Kaiser Friedrich Barbarossa am Ende des 12. Jahrhunderts das Recht, von den vorbei gleitenden Mainschiffen Zoll einzufordern. So wurden die Herrschaften dieses deutschen Adelsgeschlechts wohlhabend. Und mächtig. Höfisches Leben durchflutete ihre Burgfeste, an denen auch der berühmte Minnesänger Wolfram von Eschenbach teilnahm, der seine Besuche dort in seiner lyrischen Dichtung „Parzival“ erwähnte.

Im 13. Jahrhundert machte Graf Boppo II. aus der Turmhügelburg seines Vorfahren, des ersten Boppo, eine standesgemäße kleine Residenz. Seit dieser Zeit wurde die Burg bis ins 17. Jahrhundert hinein kontinuierlich ausgebaut.

Gemächlicher Aufstieg

Der Weg zur gigantischen Ruine hinauf steigt gemächlich an. Zaghaft beginnt das Leben in der Stadt, die schon um 1200 ein eigenes Stadtmaß für das Messen von Korn bekam. Heute legen die neuen Kreuzfahrtschiffe hier an, Touristen schwappen hinein in die schmalen Sträßlein zur Stiftskirche und zum Grafschaftsmuseum, in dem Gemälde präsentiert werden, die der norddeutsche Maler Otto Modersohn hier malte.

Die letzten Meter über den unebenen Untergrund zu den zwei trutzigen Rundtürmen sind recht mühsam. Ihre festen Mauern haben die Stürme der Jahrhunderte scheinbar überdauert. Da war nämlich jener Märztag im Jahr 1619, an dem eine Magd nicht aufpasste. Ihr Strohsack fing durch eine brennende Kerze Feuer, entzündete Pulverfässer und löste eine verheerende Explosion aus. Wohnräume und Stallungen wurden zerstört, übrig blieben steinerne Kleinodien an Mauerresten und verschlungene Geländer, die von Stilrichtungen deutscher Baugeschichte erzählen und die einstige Pracht ahnen lassen.

Roter Sandstein

Kopfsteinpflasterschritte führen über die ehemalige Zugbrücke, die nicht mehr gezogen werden kann, weil sie seit 1785 fest gemauert hineinführt in die sandsteinrote Ruine. Ein Blick in den Brunnen mit seinen 42 Metern bis hinunter zum Mainspiegel verliert sich in allertiefster Schwärze. Aus ihm mag mancher Eimer voll mit lebensrettendem Wasser geholt worden sein während der Belagerungen der Schweden und der Bayerischen Armee im 30-jährigen Krieg. Damals erhielt die einst stattliche Anlage ihre endgültigen Todesstösse. Heute ragt nur noch der staufische Bergfried in den Himmel, ein Renaissanceportal von 1562 strotzt in voller Schönheit nach der Renovation. Wehranlagen künden von trutziger Stärke. Ein Treppenturm endet im Nichts. Meterdicke Sandsteinmauern und verrostete Eisengitter vor Löchern, die einstmals Fenster waren, sind die Reste einstiger Behausungen.

Der Weiße Turm aus dem 15. Jahrhundert mit der Feuerglocke war jahrelang Wohnraum des Wächters. Heute ist hier das Burgrestaurant untergebracht. Zwischen alten Kastanien lassen sich Apfelstrudel und Heiße Liebe genießen und Kartoffelpuffer mit Apfelbrei – die Speisekarte holt zurück aus der Vergangenheit ins Heute.

Öffnungszeiten

Der Zugang zur Burg ist vom 7. April bis zum 15. Oktober möglich von 9 bis 22 Uhr, vom 16. Oktober bis zum 6. April von 10.30 bis 16 Uhr. Einer der beiden Rundgänge innerhalb der Burganlage ist im Augenblick wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Trotzdem gibt es genug zu entdecken, auch für Kinder. Die Beschriftungen an den einzelnen Ruinen sind ansprechend, informativ und auf das Wesentliche beschränkt.

Kontakt

Die Öffnungszeiten der Burggaststätte erfahren Sie unter: Tel. (0 93 42) 91 32 38

Spazierweg und Anfahrt

Von den Parkplätzen am Main geht es nur ein paar Schritte Richtung Grafschaftsmuseum und Stiftskirche über ein paar Stufen auf den Weg Richtung Burg.

Siehe auch

Region Würzburg:


Region Main-Spessart:


Region Main-Tauber:


Region Bad Kissingen:


Region Hassberge:


Region Schweinfurt:


Region Kitzingen:


Region Aschaffenburg:

Weblinks

  • Übersichtskarte „Burgen und Schlösser in Franken“ der Main-Post