Babygeschrei
Aus wiki.familieninsel.de
Babygeschrei von deutschen Babys ist anders als beispielsweise das von französischen. Babys schreien nämlich in ihrer Muttersprache. Insbesondere Melodie und Rhythmus der Laute unterscheiden sich.Das kommt daher, dass sich Neugeborene schon im Mutterleib die Sprache ihrer Eltern verinnerlicht haben und damit auch deren Betonung. Das haben Forscher um die Würzburger Wissenschaftlerin Kathleen Wermke herausgefunden und im Fachjournal "Current Biology" beschrieben. "Die Neugeborenen bevorzugen genau diejenigen Melodiemuster, die für ihre jeweiligen Muttersprachen typisch sind", sagte die Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen am Universitätsklinikum Würzburg.
Für die Studie hat Wermke das Geschrei von 60 Neugeborenen aus Deutschland und Frankreich untersucht, die zwischen drei und fünf Tagen alt waren. Mikrofone zeichneten das Weinen der Jungen und Mädchen auf, ein Computer ermittelte später Frequenzspektren, Melodiekontur sowie die maximale Tonhöhe. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Schreimelodie der deutschen Säuglinge häufiger mit einem anfänglichen Maximum beginnt - zum Ende hin fällt diese Kurve ab.
Französische Babys schreien wiederum öfter in ansteigenden Melodien und betonen so das Ende stärker. In Frankreich rufen Kinder beispielsweise nach dem "Papá", während die Deutschen nach "Pápa" verlangen. Laut Wermke finden sich die melodischen Charakteristiken beider Sprachen auch im Babyschreien wieder. "Auch deutsche Babys haben entbetonte Melodien", aber im Durchschnitt orientierten sie sich an der Intonation ihrer Muttersprache und betonten am Anfang stärker.
Dass Kinder bereits im Mutterleib die Stimme der Eltern erkennen, ist schon lange bekannt. Jetzt will Wermke die Theorie belegen, "dass der Spracherwerb bei unseren Kindern im Vergleich zu nichtmenschlichen Primaten mit der Melodie beim Schreien beginnt". Babys seien in der Lage, ihre Schreimelodie zu variieren in verschiedenen Rhythmen - und dabei das im Mutterleib gehörte umzusetzen. Dies seien keine reflexiven, monotonen Lautäußerungen. Die Wissenschaftler erhoffen sich, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, Sprachdefizite frühzeitig zu entdecken.
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dpaKategorien: Erziehung | Geburt | Lernen



