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"Erwachsen auf Probe"

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In der RTL-Serie "Erwachsen auf Probe" muss sich Nadine (18) als erstes um eine Babypuppe kümmern. (c) RTL / Frank Hempel
In der RTL-Serie "Erwachsen auf Probe" muss sich Nadine (18) als erstes um eine Babypuppe kümmern. (c) RTL / Frank Hempel
„Erwachsen auf Probe“ – unter diesem Titel startet RTL am 3. Juni eine neue Serie. In dieser Sendung sollen Säuglinge und Kleinkinder von ihren Eltern getrennt werden, um sie in die Obhut von fremden Teenagern zu geben. Und dies für die Dauer von vier Tagen, rund um die Uhr, in einer völlig fremden Umgebung.


Inhaltsverzeichnis

Kritik vom Kinderschutzbund und von Politikern

Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) ist „entsetzt“ über diesen „Crash-Kurs zum Erwachsenendasein“, wie RTL das Experiment bezeichnet. „Diese Sendung setzt die Kinder einem hohen Risiko aus, ist somit Kindeswohlgefährdung und nicht hinnehmbar“, sagte Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin des DKSB.

Nach Ansicht des DKSB sind Kinder im Alter von 9 bis 14 Monaten in einer hochsensiblen Phase und reagieren entwicklungsbedingt mit Angst und Abwehr auf fremde Personen. "Indem RTL diese Kinder existentiellen Ängsten aussetzt, nimmt der Sender die Entstehung einer Bindungsstörung bei den Kindern billigend in Kauf. Sollen wehrlose Babys hier den Preis dafür zahlen, dass RTL eine möglichst große Zuschauerzahl und damit hohe Werbeeinnahmen erzielen will? Das ist für uns nicht zu akzeptieren", sagte Honkanen-Schoberth.

Die Situation könnte sich jedoch ändern, wenn Werbekunden aufgrund der öffentlichen Diskussion vor einer Platzierung ihrer Produkte im Umfeld der Sendung zurückschrecken und somit auch wirtschaftlichen Druck auf RTL ausüben. Doch kein Unternehmen habe Vorbehalte gegenüber „Erwachsen auf Probe“ geäußert, sagte eine Sprecherin des RTL-Werbezeitenvermarkters IP Deutschland am Donnerstag. „Die Anbuchung ist gut.“

Auch die Kinderkommission des Deutschen Bundestages protestiert gegen die Ausstrahlung: „Wir fordern RTL dringend auf, die Serie nicht auszustrahlen und keine weiteren, die Entwicklung der Kinder gefährdenden, gleich gearteten Sendungen mehr zu produzieren“, sagten die Sprecher. RTL instrumentalisiere in diesem Sendeformat Kinder in unverantwortlicher Weise, hieß es weiter von der Kinderkommission.

RTL beschwichtigt

Jedes Haus sei mit Überwachungskameras hält RTL dagegen. Die leiblichen Eltern könnten ihre Babys 24 Stunden am Tag aus dem gegenüber liegenden Haus beobachten und das Experiment jederzeit abbrechen. Zusätzlich sorgten erfahrene Erzieherinnen Tag und Nacht in jedem Haus für die absolute Sicherheit der Kinder. Zudem würden die Teenager-Paare von der Expertin Dr. Katja Kessler betreut - Zahnärztin, Mutter und sowie erfolgreiche Journalistin und verheiratet mit Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.

Laut RTL ist "Erwachsen auf Probe" von der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) geprüft worden, die dem Format eine "positive pädagogische Absicht" attestiere. Die Eltern, die ihre Kinder abgeben, können ihren Nachwuchs und die Teenager in den kameraüberwachten Räumen 24 Stunden lang beobachten.

DKSB: „Experten sind keine Lösung“

Den Kritikern reichen diese Maßnahmen nicht. Die Einschaltung von Fachleuten, Kinderpsychologin, Ärztin, Erzieherin in der Sendung ist nach Ansicht des DKSB keine Lösung: „Diese Experten können die Kinder weder trösten, noch ihnen die Ängste nehmen“, sagte Honkanen-Schoberth. „Auch die Teenager-Paare werden hier für den um sich greifenden Voyeurismus missbraucht.

Die Ankündigung von RTL lässt vermuten, dass ein Scheitern des Erwachsen-Seins von vorne herein einkalkuliert wird und ein Ziel der Sendung die Abschreckung vor einem frühen Kinderwunsch sein soll.“

Siehe auch

  • Eltern werden
  • Ratgeber Erziehung
  • Erziehungstipps